Die menschliche Haut ist als grösstes und schwerstes Organ und als direkte Abgrenzung zur Aussenwelt enorm vielen Einflüssen ausgesetzt. Was die Haut alles für uns leistet, wird oft erst klar, wenn etwas schief geht. Die Hauterkrankungen reichen dabei von Verbrennungen über genetische Erkrankungen bis zur Besetzung von Parasiten. In diesem Artikel jedoch liegt der Fokus auf dem Schutz der Haut insbesondere durch Sonnencremes in Bezug auf Sonnenbrände.

Der Sonnenbrand stellt im Sommer die häufigste Hauterkrankung dar. Oftmals werden Sonnenbrände etwas leichtfertig abgehandelt, doch das Hautkrebsrisiko und das vorzeitige Altern der Haut steigen bei regelmässigen Sonnenbränden massiv an. Dem ist so, weil die UV-Strahlen (das sind Strahlen, die etwas kurzwelliger sind als die für uns sichtbaren Lichtwellen) nicht nur die stark regenerierbare Epidermis, sondern auch die Dermis schädigen. Die Strahlenschäden der Dermis addieren sich über die Zeit. Das heisst das also, dass die Schäden durch einen einzelnen Sonnenbrand nicht beseitigt sind, wenn der Sonnenbrand von aussen nicht mehr sichtbar ist.

Der Hauttyp ist ein wichtiger Faktor bei Sonnenbränden. Es gibt vier Hauttypen, wobei sich die Eigenschutzzeit je nach Typ von fünf auf 30 Minuten erhöht. Hauttyp 1 entspricht rothaarigen und blonden Personen mit heller Haut. Personen mit gebräunter Haut und dunklen Haaren besitzen den Hauttyp 4. Der Glaube, dass sich Hautschäden durch UV-Strahlen nur bei starker Sonnenexposition ausbilden, ist leider falsch. Die UV-Bestrahlung der Haut kann bei bewölktem Wetter und tiefer Luftfeuchtigkeit sogar höher sein als bei strahlender Sonne!

Daher ist der Begriff «Sonnencreme» eigentlich fehlleitend. Er suggeriert, dass dieser Schutz nur bei starker Sonnenexposition nötig ist. Doch nicht nur Sonnencremes dienen als präventive Schutzfaktoren vor Sonnenbränden. Alleine das Meiden der bei Sonnenschein massivsten UV-Strahlung zur Mittagszeit hat einen sehr positiven Effekt. Lange Kleider und ein Sonnenhut bilden weitere Schutzfaktoren für die Haut. Besondere Vorsicht ist beim Aufenthalt im Wasser geboten. Messungen haben ergeben, dass in einem Meter Tiefe noch ungefähr zwei Drittel der UV-Strahlung von ausserhalb des Wassers vorhanden sind. Das Eincremen muss nach einem Aufenthalt im Wasser unbedingt wiederholt werden, da die Crème gewissermassen ausgewaschen wird.

Exponierte Stellen sollten mindestens einmal täglich mit hohem Lichtschutzfaktor eingecremt werden. Doch wie funktioniert eine Sonnencreme nun überhaupt? Molekular besteht eine Sonnencreme aus Substanzen, welche die Funktion eines UV-Filters übernehmen, und fetthaltigen Substanzen, welche das Eindringen in die Haut erleichtern. Der Lichtschutzfaktor geht einher mit der Konzentration der UV-Filtersubstanzen in einer Sonnencreme. Bezüglich des Lichtschutzfaktors gibt es einen weiteren verbreiteten Irrglauben: Dieser hat nichts mit der Umgebungstemperatur zu tun! Es wäre also falsch, bei 20°C Aussentemperatur davon auszugehen, dass eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20 ausreicht. Der Lichtschutzfaktor ist vielmehr ein mathematischer Faktor. Er gibt an, wievielmal länger die Haut vor UV-Bestrahlung geschützt ist als durch die Eigenschutzzeit.

Eine Person mit Hauttyp 1 hat eine Eigenschutzzeit von 5-10 Minuten. Wenn sie sich mit Sonnencreme des Lichtschutzfaktors 50 eincremt, beträgt ihre Schutzzeit 5min Eigenschutzzeit x 50 = 250min. Eine dunkelhaarige bereits gebräunte Person hätte mit Eigenschutzzeit und Sonnencreme eine entsprechend längere Schutzzeit. Wichtig ist, dass diese Rechnung nur gilt, solange die Haut nicht nass wird. Starkes Schwitzen und insbesondere Baden verringern die Schutzzeit massiv.

Es gibt natürlich noch viele weitere Hauterkrankungen. Bei Hauterkrankungen lohnt es sich, verhältnismässig früh eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, da sie oftmals ansteckend sind. Die hohe Übertragbarkeitsrate von Hauterkrankungen lässt sich einfach erklären. Weil die Haut unsere Grenze zur Aussenwelt bildet, sind Übertragungen durch Körperkontakt sehr einfach. Bei einer parasitären Besiedlung der Haut (z.B. Milben) ist nicht einmal Körperkontakt nötig. Dort kann auch eine Übertragung über Textilien geschehen. Der Sonnenbrand ist und bleibt jedoch die häufigste Hauterkrankung. Es lohnt sich also, diesem vorzubeugen.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Die westliche Bevölkerung hat sich in den letzten Generationen zunehmend von einer Stehkultur hin zu einer Sitzkultur bewegt. Der menschliche Körper ist jedoch evolutionär nicht darauf ausgerichtet, den ganzen Tag zu sitzen. Zudem ist die evolutionäre Entwicklung zu langsam, als dass sie mit unserer rapiden Verhaltensänderung weg vom Stehen und hin zum Sitzen mithalten könnte. In der Schule und in jeglichen Büros wird der gesamte Tag im Sitzen verbracht. Was man machen kann, dass dies keine Folgeschäden hervorruft, ist Thema dieses Artikels.

Die Schäden manifestieren sich natürlich in aller Regel am Rücken, aber auch das Gesäss, kann betroffen sein. Eigentlich sind es nur zwei Hauptkomponenten, die beachtet werden müssen, um körperliche Schäden durch das Sitzen zu vermeiden. Die erste Hauptkomponente bildet die Körperhaltung. Sie ist der absolut wichtigste Faktor, um sitzbedingten Rückenschmerzen vorzubeugen. Eine korrekte Sitzhaltung sieht folgendermassen aus: Die Knie machen einen 80-90° Winkel. Die Füsse sind flach auf dem Boden. Viele vernachlässigen die Beine und denken, dass dies keinen Einfluss auf den Rücken hat. Falls Sie bis anhin auch geglaubt haben, dass die Körperhaltung fast ausschliesslich den Rücken betrifft, versuchen Sie doch einmal Folgendes: Halten Sie die Position des Rückens beim Sitzen konstant und bringen Sie ihre Beine in deutlich verschiedene Positionen (natürliche Positionen, die Sie auch wirklich einnehmen würden). Sie können dann bei genauer Ausführung spüren, dass sich die Spannung der Haltungsmuskulatur im lumbalen Rückenbereich (das heisst im unteren Rückenbereich) verändert. Optimal ist diese Spannungsverteilung bei flach auf den Boden gesetzten Füssen.

Der Rücken selbst soll aufrecht sein und ohne Buckel im Lumbalbereich. Nun sind nebst den Beinen auch die Arme nicht zu vernachlässigen. Denn in den allermeisten Fällen befinden sich sitzende Personen an einem Tisch. Dabei sollten die Schultern locker hängen und der Ellbogen einen Winkel von ungefähr 90° bilden, um beispielsweise zu schreiben oder eine Tastatur zu bedienen. Die Körperhaltungsbestandteile sind also Beine — Rücken — Arme. Es bleibt jedoch ein weiteres Problem und das ist die Umgewöhnung hin zu einer korrekten Haltung.

Gerade wenn Sie von einer Fehlhaltung betroffen sind, ist die Umgewöhnungszeit ziemlich schwer, weil die Sitzhaltung oft dem Bewusstsein entzogen wird und man dann unbewusst in die alte Fehlhaltung zurückrutscht. Hierzu eine Methode, die Abhilfe schaffen soll: Legen Sie sich Zeiten fest, zu denen Sie sich Ihre Haltung ins Bewusstsein rufen und bei Bedarf adaptieren. Wenn Sie das beispielsweise als Art Ritual immer zur vollen Stunde machen, wird die korrekte Sitzhaltung irgendwann zur Routine. Für Schüler*innen bietet es sich zum Beispiel auch an, zu Beginn jeder Lektion bewusst auf die Sitzhaltung zu achten.

Die zweite Hauptkomponente, die Folgeschäden durch das Sitzen vorbeugen soll, ist sehr simpel: Sitzen Sie nicht zu lange am Stück. Einerseits ist es schlecht für die Haltung selbst, da die Haltungsmuskulatur im Rücken mit der Zeit an Spannung verliert. Andererseits verschlechtert sich als Nebeneffekt auch die Zirkulation, was sich negativ auf die Hirndurchblutung und somit auch auf die Konzentration auswirkt. Sie sollten mindestens einmal pro Stunde kurz aufstehen und die Gelenke der Extremitäten bewegen. Was auch hilft in diesen kurzen Sitzpausen, ist eine aktive Bewegung des Rückens. Das dient dazu, andere Muskeln als die Haltungsmuskulatur zu aktivieren, was zu einer Entspannung ebendieser Haltungsmuskulatur führt.

Wie eingangs erwähnt, betreffen durch das Sitzen hervorgerufene Probleme auch das Gesäss. Bei zu langem Sitzen können sich durch die Überbeanspruchung der Haut beispielsweise Ekzeme im Gesässbereich bilden. Die Haut wurde in dem Fall durch das Gewicht, das auf dieser Haut lastet, gewissermassen gequetscht. Wenn noch Reibung hinzukommt, beispielsweise durch leichte Bewegungen während des Sitzens, begünstigt dies Ekzeme noch weiter. Ekzeme im Gesässbereich sind einerseits lästig, aber andererseits auch hartnäckig. Denn das Sitzen lässt sich bei einer Person, die ihren Alltag gezwungenermassen hauptsächlich im Sitzen verbringt, kaum so reduzieren, dass es eine Abheilung des Ekzems begünstigen würde.

Abschliessend kann festgehalten werden, dass insbesondere die Körperhaltung extrem wichtig ist, um sitzbedingten Rückenschmerzen bereits präventiv keine Chance zu geben. Aber auch regelmässiges Aufstehen und Bewegen des Rückens begünstigen einen schmerzfreien Rücken, da der Rücken nicht zu lange in einer Position ausharren soll. Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass auch das Gesäss sitzbedingte Probleme verursachen kann.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Bei der Fehlsichtigkeit gibt es zwei Hauptformen. Die Kurzssichtigkeit (Myopie) und die Weitsichtigkeit (Hyperopie). Dabei ist die Kurzsichtigkeit deutlich häufiger, was vor allem mit unserer Lebensform zu tun hat. Beide Fehlsichtigkeiten haben mit der Bulbuslänge (= Augapfellänge) zu tun. Diese stellt sich während der Entwicklung auf das Hauptsehen ein. Die heutige Gesellschaft ist stark auf Kurzsichtigkeit ausgerichtet (Schreiben, Computer etc.) und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Myopie häufiger vorkommt. In der Schweiz sind mehr als die Hälfte aller Jugendlichen myop!

Oftmals sind die physiologischen Zusammenhänge bei der Myopie und Hyperopie etwas verwirrend, da sie genau gegenteilig sind. Bei der Myopie ist der Bulbus zu lang und die Sicht in die Weite bereitet Probleme. Die Strahlenbündel treffen sich, weil der Bulbus zu lang ist, schon vor der Netzhaut in einem Punkt, daher wird eine Streulinse benötigt, um den Strahlengang zu erweitern. Eine Streulinse hat negative Dioptrien. Sie erniedrigt die Brechkraft, sodass sich dieser Punkt, der sogenannte hintere Brennpunkt, auf die Retina verschiebt.Bei der Hyperopie hingegen ist alles genau umgekehrt. Der Bulbus ist also zu kurz und der Brennpunkt ist ohne Brille hinter der Retina, also zu weit hinten. Es wird eine Sammellinse benötigt, welche die Brechkraft erhöht. Diese Linse hat positive Dioptrien.

Linsen

Häufig bleibt die Hyperopie länger unentdeckt als die Myopie. Der Grund liegt darin, dass die Linse akkomodationsfähig ist. Die Brechkraft wird erhöht bei der Nahakkomodation (= Nahanpassung). Eine hyperope Person kann also ihre Hyperopie durch Nahakkomodation gewissermassen kompensieren. Das äussert sich auf Dauer jedoch oft durch Kopfschmerzen und Schwindel, da es sehr anstrengend ist, ständig auf Nahakkomodation umzustellen, vor allem wenn man eigentlich gar nicht in die Nähe sieht. Mit steigendem Alter zeigt sich ein weiteres Phänomen. Die sogenannte Presbyopie beschreibt eine verschlechterte, altersbedingte Akkomodationsfähigkeit. Sie tritt dadurch auf, dass mit steigendem Alter, das bedeutet in diesem Fall schon ab 40 Jahren und nicht erst im Seniorenalter, die Linse weniger elastisch wird.

Die Linse besteht grob aus einer Rinde und einem Kern. Beide Anteile bestehen aus Linsenfasern, wobei sich die neuen Linsenfasern immer aussen anlagern. Die ältesten Linsernfasern sind also im Kern zu finden. Der Kern ist wasserärmer und daher weniger elastisch. Ab 40 Jahren beginnt sich das Gleichgewicht zwischen Rinde und Kern in Richtung Kern zu verschieben. Ein Teil der Rinde degradiert also zunehmends und somit gehen mit der Zeit die neuen nachkommenden Linsenfasern, welche sich aussen anlagern, immer mehr verloren. Das hat zur Folge, dass die Linse zunehmends unelastisch wird. Eine unelastische Linse hat eine deutlich schlechtere Akkomodationsfähigkeit.

Die Presbyopie wird auch altersbedingte Weitsichtigkeit genannt. Denn durch die verlorene Akkomodationsfähigkeit bereitet insbesondere die Nahakkomodation Mühe. Das bedeutet, dass der Nahpunkt (das ist der den Augen nächste Punkt, an dem man scharf sieht) weiter in die Ferne rückt. Der Nahpunkt lässt sich einfach untersuchen, wenn man einen Text vor sich hat und immer näher an die Augen bewegt. Der Punkt an dem der Text verschwommen zu erscheinen beginnt ist der Nahpunkt. Bei jungen Erwachsenen kann dieser Nahpunkt weniger als zehn Zentimeter betragen. Mit 40 Jahren liegt der Nahpunkt ungefähr bei 25 Zentimetern. Das klingt absolut betrachtet nicht nach einem starken Unterschied, das ist jedoch die dreifache Distanz gegenüber einem jungen Erwachsenen!

Wie eingangs erwähnt, sind deutlich mehr Personen von der Myopie (Kurzsichtigkeit) als von der Hyperopie (Weitsichtigkeit) betroffen. Die Myopie war in Kombination mit einer Presbyopie lange ein echtes Problem, da davon betroffene Patient*innen kurz- und weitsichtig sind und dadurch sowohl in die Nähe als auch in die Ferne schlecht sehen. Das stellte die Ärzteschaft lange Zeit vor grosse Schwierigkeiten. Die zu beantwortende Frage war: Wie schafft man es, die Myopie und die altersbedingte Presbyopie gleichzeitig zu korrigieren? Es braucht also eine Brille, die gleichzeitig Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit korrigieren kann. Die Erfindung der sogenannten Gleitsichtbrille löste dieses Problem. Für die Myopie wird eine negative Dioptrie benötigt, weil der Bulbus zu lang ist. Für die Presbyopie wir eine positive Dioptrie benötigt, um in die Nähe sehen zu können (die erhöhte Brechkraft ging ja verloren und der Nahpunkt hat sich vom Auge weg verschoben). Gleitsichtbrillen sind für viele sehr gewöhnungsbedürftig, da es verschiedene Zonen für die verschiedenen Fehlsichtigkeiten gibt. Zum Lesen muss beispielsweise durch den unteren Bereich der Gleitsichtbrille geschaut werden. Dagegen korrigiert die Gleitsichtbrille in der Regel im oberen Bereich die Myopie.

Gleitsichtbrille
Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Die Tage werden wieder länger und wärmer. Menschen füllen die Parks und Strassencafés. Farbige Bäume und Wiesen schmücken die Landschaft. Der Frühling ist da und auch der Sommer ist schon nah. Das Leben spielt sich wieder vermehrt draussen ab. Doch für etwa 20% der Bevölkerung startet auch die jährliche Heuschnupfensaison. Der Pollenflug wird beeinflusst durch die Wetterlage. Der Klimawandel und die damit erhöhten Temperaturen fördern das Blühen der Pollen (MeteoSchweiz, 2022).

Es gibt viele verschieden Pollenarten. In der Schweiz sind die folgenden sechs für den Grossteil der Pollenallergien verantwortlich: Gräser-, Birken-, Eschen-, Hasel-, Erlen- und Beifusspollen (MeteoSchweiz, 2017). Die ausgelösten Symptome sind vielfältig und unterschiedlich stark ausgeprägt, von juckenden Augen, über eine konstant laufende und verstopfte Nase bis hin zu Asthma und einer generellen Müdigkeit. Was passiert in unserem Körper bei einer solchen Allergie? Wenn wir einmal darunter leiden, werden wir immer darunter leiden? Welche Möglichkeiten haben wir zur Bekämpfung der Symptome?

Um Pollenallergien zu verstehen, ist es wichtig, sich einen Überblick über das Immunsystem zu verschaffen. Dieses ist jedoch sehr komplex. Im Folgenden soll nur umrissen werden, was für das Grundverständnis von Allergien relevant ist. Das Immunsystem besteht aus einem angeborenen (= innaten) und einem erworbenen/adaptiven Teil. Bei einer allergischen Antwort beispielsweise auf Gräserpollen spielen die beiden Anteile zusammen. Eine der Aufgaben unseres Immunsystems ist die Abwehr von für uns schädlichen Stoffen. Unser Immunsystem hat die Fähigkeit, diese über verschiedene Mechanismen zu erkennen und zu bekämpfen. Bei Allergien, so auch bei Pollenallergien, wird das Immunsystem unnötig aktiv. Stoffe werden als gefährlich und fremd markiert, die unserem Körper eigentlich gar nicht schaden. Eine Allergie wird wie folgt definiert: «Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende, spezifische Immunreaktion gegen körperfremde, eigentlich apathogene Antigene (Allergene) mit der Folge einer akuten Entzündungsreaktion, die u.U. chronifizieren kann» (ViaMedici, 2021).

Allergien können je nach Reaktionstyp in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Bei einer Pollenallergie gehen wir von einer Typ-I Reaktion aus. Diese ist gekennzeichnet durch eine sofortige mehr oder weniger lokale Reaktion. Für eine solche Reaktion müssen unterschiedliche Zellen rekrutiert werden, die unseren Körper verteidigen. Hier relevant sind die Mastzellen. Diese sind wichtig für unser Immunsystem, denn sie rekrutieren auch die neutrophilen Granulozyten zur Bekämpfung von Schädlingen (Immunologie für Jedermann, 2022). Die Mastzellen sind jedoch auch bei Allergien essentiell. Bei einer allergischen Reaktion beispielsweise auf Pollen werden von Mastzellen bestimmte Stoffe ausgeschüttet; ein hier wichtiger Botenstoff ist das Histamin. Dieser wirkt über Rezeptoren auf viele verschiedene Bereiche unseres Körpers. Das Binden von Histamin an einen Rezeptor auf unseren Blutgefässen kann verschiedene Folgen haben: Die Blutgefässe werden erweitert, die Durchlässigkeit von Gefässen wird erhöht oder in der in der Lunge werden die Bronchien verengt, was zu einer erschwerten Atmung führen kann.

Doch wie soll dieser Effekt unserem Körper bei der Bekämpfung von einem fälschlicherweise als schädlich erkannten Stoff helfen? Wir atmen Pollen beispielsweise durch die Nase ein. Die Nase beginnt, Schleim zu produzieren, zuzuschwellen und zu jucken, damit dieser Schädling weniger gut eintreten kann und, falls er schon drin ist, wieder herausbefördert werden kann. Die Verengung in den Bronchien hindert uns am tiefen Einatmen und verhindert so, dass grosse Mengen der Pollen eingeatmet werden.

Therapeutisch gibt es drei Möglichkeiten: Einerseits das Meiden der Allergene, was bei einer Pollenallergie nicht konsequent umsetzbar ist, daneben gibt es spezifische Immuntherapien oder auch symptomatische medikamentöse Therapien. Die spezifische Immuntherapie kennt man auch unter dem Begriff «Desensibilisierung». Bei dieser Therapie wird das Immunsystem sozusagen ”trainiert”. Das Ziel ist es, durch eine stetige Zufuhr kleiner Mengen Allergene eine Toleranz gegen diese zu entwickeln und schlussendlich eine Überempfindlichkeitsreaktion zu unterbinden. Es gibt die Möglichkeit, die verdünnten Allergene in steigender Dosis unter die Haut zu spritzen oder als Tablette unter die Zunge zu legen (AHA, 2022). Eine solche Therapie dauert 2-3 Jahre und muss daher gut durchdacht werden.

Die bekannteste Therapieoption ist vermutlich das Blockieren der H1-Rezeptoren von Histamin. Dadurch können die ausgelösten Symptome verhindert werden. Dafür benutzen wir Antihistaminika in Tablettenform. Die älteren Generationen dieser Medikamente führten zu starker Müdigkeit, da sie anders als die neueren Generationen auch auf das zentrale Nervensystem wirken konnten. Zur neueren Generation gehören beispielsweise Arzneimittel mit dem Wirkstoff Loratadin oder Fexodfenadin, welche die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können und dadurch keine zentral dämpfende Wirkung erreichen können.

Weiter gibt es die Möglichkeit zur lokalen Therapie mit Nasen- oder Augentropfen. Wirkstoffe wie Xylometazolin, Oxymetazolin sind sogenannte alpha1-Sympatomimetika. Das bedeutet, dass sie an Alpha-1-Rezeptoren die Wirkung vom Sympathikus nachahmen. Der Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems. Er wird v.a. in Stresssituationen aktiviert und hilft uns bei der Fight-or-Flight-Reaktion. Viele Prozesse werden dadurch ausgelöst, beispielsweise werden Blutgefässe verengt und unser Blutdruck erhöht. In der Nase hat das die Folge, dass die Muskulatur und die Gefässe kontrahieren, was eine abschwellende Wirkung zur Folge hat (DocCheck, 2022).

Für viele Betroffene wirken die oben genannten Methoden zur Bekämpfung von Pollenallergien nur begrenzt. Deshalb ist es sinnvoll, sich an ein paar Grundregeln zu halten, die helfen, den Kontakt mit diesen Allergenen zu minimieren. Einerseits sollte Wäsche nicht im Freien getrocknet werden, damit sich die Pollen nicht darauf festsetzen können. Die Fenster sollten geschlossen bleiben, sofern keine Pollenfilter vorhanden sind. Falls man doch Lüften will, sollte man sich informieren, wann die Pollenlast am kleinsten ist, bspw. in städtischen Regionen zwischen 6:00 und 8:00 Uhr, in ländlichen Regionen eher zw. 19:00 Uhr und Mitternacht. Duschen vor dem Schlafen und das Ablegen der Strassenkleidung ausserhalb des Schlafzimmers ist eine weitere Möglichkeit, Pollenexposition zu minimieren (TopPharm, 2022).

Quellen

AHA: Allergenspezifische Immuntherapie (Desensibilisierung). Abgerufen am 24. Mai 2022, von: https://www.aha.ch/allergiezentrum-schweiz/allergien-intoleranzen/wissenswertes/allergenspezifische-immuntherapie-desensibilisierung

DocCheck: Alpha-Sympathomimetikum. Abgerufen am 24. Mai 2022, von:  https://flexikon.doccheck.com/de/Alpha-Sympathomimetikum?utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

MeteoSchweiz: Was Sie über Pollen wissen müssen (2016). Abgerufen am 29. Mai 2022, von: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/polleninformationen.html

MeteoSchweiz: Polleninformation. Abgerufen am 29. Mai 2022, von:  https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/polleninformationen.html

Immunologie für Jedermann. Das Immunsystem: Mastzellen Wächter und schnelle Boten in der Immunabwehr. Abgerufen am 29.Mai 2022, von: https://das-immunsystem.de/blog/2021/02/05/mastzellen-waechter-und-schnelle-boten-in-der-immunabwehr/

TopPharm: Pollenprognose (29.05.2022). Abgerufen am 29.Mai 2022, von: https://www.toppharm.ch/pollenprognose

ViaMedici: Allergien: Ursachen und Symptomatik. Abgerufen am 24. Mai 2022, von: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668335/4958536/allergien+ursachen+und+symptomatik#impp

Leandra Ehrat

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Der weibliche Zyklus ist ein komplex reguliertes Phänomen, das sich bei Frauen ab der Pubertät und bis zur Menopause ungefähr alle 28 Tage zyklisch wiederholt. Verschiedene Hormone dienen der Hauptregulation des weiblichen Zyklus. Der weibliche Zyklus ist klinisch sehr wichtig, da fast jede Frau in irgendeiner Form mindestens gelegentlich darunter leidet. Zudem war der Fokus der medizinischen Forschung lange nicht darauf ausgelegt, Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation zu behandeln. Diese wurden weitläufig als normal anerkannt, was vermutlich insbesondere mit der lange männerdominierten Forschungsbranche zu tun hat. Zum Glück eröffnen sich hier immer mehr Möglichkeiten. Dennoch bleiben Menstruationsbeschwerden komplex zu behandeln, da sie sehr multidimensional und zudem subjektiv sind. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden bei Frauen extrem vielfältig äussern. Es gibt auch einige Symptome, bei denen nicht final bestimmt werden kann, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Menstruation und Symptom besteht.

Evolutionär betrachtet ist der weibliche Zyklus ein faszinierendes Phänomen. Der weibliche Körper bereitet sich damit jeden einzelnen Monat auf eine Schwangerschaft vor. Wenn man von ungefähr 400 Zyklen ausgeht und eine Frau zwei Kinder hat, sind die möglichen Schmerzen, die der Zyklus während der Menstruation mit sich bringen kann, also in über 99% der Fälle theorethisch überflüssig! Der weibliche Körper muss sich jedoch jeden Monat gleich auf eine Schwangerschaft vorbereiten, weil es keine Signalmoleküle (Hormone) gibt, die signalisieren, dass keine Befruchtung stattgefunden hat. Zudem wäre der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zu langsam und zu wenig stark, wenn er erst mit der Befruchtung einsetzen würde.

Der weibliche Zyklus besteht genau genommen aus zwei anatomisch getrennten Zyklen, die sich jedoch zeitlich überlagern. Es gibt den ovariellen Zyklus im Eierstock und den endometrialen Zyklus in der Gebärmutterschleimhaut. Diese zwei Komponenten spielen zusammen und sind aufeinander abgestimmt. Im Eierstock reift bekanntlich die Eizelle, die ungefähr am 14. Tag des Zyklus im Rahmen des Eisprungs in den Eileiter abgegeben wird. Nach dem Eisprung ist die Eizelle nur maximal 24 Stunden befruchtungsfähig. Der Weg zum Uterus (= Gebärmutter) dauert für die Eizelle jedoch ungefähr eine Woche. Das bedeutet – was häufig nicht bekannt ist –, dass die Befruchtung, also die Verschmelzung zwischen Spermium und Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter stattfindet. Wenn eine Befruchtung stattfindet, teilt sich die sogenannte Zygote auf dem Weg zum Uterus bereits. Im Uterus nistet sich der etwa eine Woche alte Embryo (in diesem Stadium Morula genannt) dann ein. Die Gebärmutterschleimhaut muss bis zur Ankunft der Eizelle, oder im Falle einer Befruchtung der Morula, perfekt vorbereitet sein, was viel Zeit braucht. Das ist der eigentliche Grund für die Monatsblutung. Der Körper kann nicht erst mit der Schleimhautproduktion zur Aufnahme des Embryos beginnen, wenn die Befruchtung geschehen ist!

Dieses schematische Bild veranschaulicht den ovariellen und den endometrialen Zyklus nebeneinander und zeigt auch die dominanten Hormone sowie ihren Verlauf (bezogen auf die Sekretionsmenge) während des weiblichen Zyklus. Es zeigt zudem auch den Temperaturanstieg um ca. 0.5° nach der Ovulation.

der weibliche Zyklus

Primär regulieren vier Hormone den weiblichen Zyklus. FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) regulieren das Ovar und werden von einer Drüse im Gehirn an das Blut abgegeben. Östrogen und Progesteron, welche als Reaktion auf FSH und LH vom Follikel im Ovar abgegeben werden, wirken unter anderem auf den Uterus. Die Spitzen von LH und FSH um den Eisprung zeigen, dass sie wichtig sind für dessen Regulierung.

Im Ovar wird aus dem Anteil des Follikels, der bei der Ovulation nicht abgegeben wird, der sogenannte Gelbkörper. Er ist gelb, weil er viele Lipide und Cholesterin eingelagert hat. Cholesterin wird benötigt, da es die Ausgangssubstanz von Östrogen und Progesteron ist, welche der Gelbkörper produziert. Bei einer Befruchtung sezerniert der Embryo sehr früh (bereits einige Tage nach der Befruchtung) das sogenannte Humane Choriongonadotropin (=HCG, ein weiteres Hormon). Dieses Hormon wirkt auf den Gelbkörper und bewirkt, dass dieser nicht degradiert. Denn normalerweise, das heisst ohne Befruchtung, degradiert der Gelbkörper analog zur Gebärmutterschleimhaut. Das ist eine weitere Parallele zwischen ovariellem und endometrialem Zyklus.

Das HCG bewirkt also, dass der Gelbkörper bestehen bleibt. Dieser bildet fortan hohe Spiegel von Progesteron, welches wiederum auf die Gebärmutterschleimhaut wirkt. Der Gelbkörper wird etwa bis zur 10. Schwangerschaftswoche benötigt, danach übernimmt die Plazenta die Funktion der Progesteronsekretion. Übrigens ist das HCG auch das Molekül, das für Schwangerschaftstest herangezogen wird, da es nur vom Embryo produziert wird und somit eindeutig auf eine Schwangerschaft schliessen lässt.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Osteoporose ist eine systemische Erkrankung, die vor allem Frauen nach der Menopause betrifft. In der Schweiz sind dies rund 400’000 Personen. Das Risiko, im Alter von 50 Jahren eine osteoporose-bedingte Fraktur zu erleiden, liegt bei etwa 50% (Rheumaliga). Unter Osteoporose versteht man eine pathologische, generalisierte Abnahme der Knochenmasse, was eine geringere Knochendichte und Tragfähigkeit mit sich bringt (ViaMedici).

Eine feste Bindegewebshaut umkleidet unsere Knochen. Direkt darunter liegt die Knochenrinde, die aus der Substantia Compacta besteht, welche wiederum weiter innen in die Substantia Spongiosa übergeht. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine schwammartige Substanz, die das Grundgerüst unseres Knochens bildet. Die Trabekel der Substantia Spongiosa sind entlang der Belastungslinien ausgerichtet. Durch diesen spezifischen Knochenaufbau wird eine optimale Stabilität mit möglichst wenig Knochenmasse ermöglicht. Darüber hinaus wird durch den spongiösen Aufbau auch die Knochenoberfläche vergrössert; so entsteht eine grosse Austauschfläche für den Stoffwechsel. Das richtige Verhältnis ist hier entscheidend. Ausgekleidet wird das Grundgerüst vom Endost, in dem sich das Knochenmark befindet (DocCheck). Das Knochenmark unterteilen wir in ein rotes und ein gelbes. Das rote ist verantwortlich für die Bildung der Blutzellen; aufgrund der vielen Erythrozyten ist es rot. Das gelbe Knochenmark ist nicht an der Blutbildung beteiligt, es besteht hauptsächlich aus Fettzellen.

Wir können die Osteoporose basierend auf ihrer Ursache und Entstehung grob in zwei Arten gliedern. Einerseits gibt es die senile Osteoporose (Typ-II-Osteoporose), welche i.d.R. mit einem verminderten Knochenumbau zusammenhängt, d.h. der natürliche Verlust an Knochenmasse wird in diesem Fall nicht mehr kompensiert, und andererseits gibt es die postmenopausale Osteoporose (Typ-I-Osteoporose), welche oft mit einem erhöhten Knochenumbau assoziiert wird (ViaMedici). Bei beiden Arten kommt es zu einem erhöhten Knochenabbau, allerdings schreitet dieser bei der postmenopausalen Osteoporose schneller voran.

Essentiell für einen gesunden, stabilen Knochen ist das Gleichgewicht zwischen dem Knochenabbau durch die Osteoklasten sowie dem Knochenaufbau durch Osteoblasten. Der Knochen wird besonders anfällig auf Frakturen, wenn die Osteoklasten übermässig aktiv sind und die Osteoblasten dies nicht kompensieren können. Betroffene können sich also schon bei Bagatellen, wie beispielsweise einem kleinen Sturz, die Knochen brechen. Besonders häufig von diesen Frakturen betroffen sind die Wirbelkörper, der Arm, sowie auch der Oberschenkelhals. Frakturen, die eher nicht für eine osteoporotische Ursache sprechen findet man im Bereich des Schädels, der Finger und Zehen.

Patient:innen, die unter Osteoporose leiden, haben oft Schmerzen. Deren Ursache sind aber nicht die Knochenumbauprozesse an sich, sondern viel mehr die Knochenbrüche, die dadurch entstehen. Es gibt unzählige Faktoren, die den Krankheitsprozess begünstigen. Häufig beobachtet man hormonelle Störungen, wie beispielsweise eine verfrühte Menopause oder Essstörungen wie Anorexie mit ausbleibender Periode. Verminderte körperliche Aktivität, genetische Faktoren, bestimmte Medikamente oder auch ein tiefes Körpergewicht (BMI unter 20.0 kg/m2) können eine Rolle spielen.

Die Medikamentöse Therapie bei Osteoporose besteht aus zwei Ansätzen. Einerseits Antiresorptive Medikamente, die den Knochenabbau hemmen, andererseits aus anabol wirkenden Medikamenten, die hauptsächlich den Knochenaufbau fördern. Diese medikamentöse Therapie sollte durch weitere Massnahmen ergänzt werden. Den Patient:innen wird empfohlen, körperlichen Aktivitäten nachzugehen. Hierbei ist das Ziel, Kraft und Ausdauer zu steigern. Um Stürzen vorzubeugen, sollten ein Sehtest durchgeführt und allenfalls Gehilfen verwendet werden. Die Ernährung sollte ebenfalls angepasst werden; Vitamin-D3 und Calcium müssen bei einem Mangel supplementiert werden. Vitamin D hilft unserem Körper bei der Aufnahme vom Calcium, das wiederum in die Knochen eingebaut wird und diese stärkt. Weiter kann es den Muskelaufbau fördern. Die Kombination dieser beiden Aspekte hilft, das Sturz- & und spezifisch das Hüftfrakturrisiko zu senken (Universitätsspital Zürich). Nikotinkonsum gilt es zu vermeiden (ViaMedici).

Mit Untergewicht kommen viele Probleme, eins davon ist eine zu geringe Knochendichte. Diese lässt sich häufig auf einen Calcium-Mangel und damit verbundenen gestörten Stoffwechsel zurückführen. Differenzieren sollte man die Osteoporose bei postmenopausalen Frauen. Aufgrund der hormonellen Umstellung, namentlich einer verminderten Östrogenproduktion, wird vermehrt Knochensubstanz abgebaut. Östrogen hemmt die Osteoklasten, welche für den Abbau der Knochen sorgen und gleichzeitig stimuliert es die Osteoblasten, welche für den Knochenaufbau zuständig sind. Eine verringerte Östrogenproduktion führt dementsprechend zu einem erhöhtem Knochenabbau. Daher sollte bei der Prävention eine hormonelle Ersatztherapie besprochen werden.

Weitere präventive Massnahmen sind folgende: Ein ausgeglichener Lebensstil hilft, um den Bedarf an Calcium, Eiweiss und Vitamin D zu decken. Zudem können ein Verzicht auf Niktoin sowie ein niedriger Alkoholkonsum die Gesundheit der Knochen positiv beeinflussen. Das Beachten der folgenden Punkte kann Ihnen helfen, Ihr persönliches Osteoporoserisiko zu verringern:

  • Verzicht auf Nikotin
  • 30 mg Alkohol pro Tag, das findet man zum Beispiel in einem halben Liter Bier
  • BMI >20 kg/m2
  • Regelmässige körperliche Aktivitäten, die das Skelett belasten wie beispielsweise Tanzen oder Laufen
  • Versorgung mit ausreichend Vitamin D: im Sommer reicht es, 20 bis 30min mit dem Gesicht und den Armen in der Sonne zu sein. Bei schwächerer Sonneneinstrahlung, wie wir das im Winter erleben, lohnt es sich, eine Vitamin D-Substitution zu erwägen.
  • Täglich 1000-1200mg Calcium: wertvolle Quellen dafür sind neben tierischen Produkten wie Kuhmilch und Käse auch Broccoli, Nüsse und Rucola.

Quellen

DocCheck, abgerufen am 1, April 2022 von: https://flexikon.doccheck.com/de/Knochen

Osteoporose.de, abgerufen am 15. April 2022 von: https://www.osteoporose.de/osteoporose/risikofaktoren

Rheumaliga Schweiz, abgerufen am 1. April 2022 von https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/osteoporose

Universitätsspital Zürich, Altersmedizin, abgerufen am 15. April 2022 von: https://www.usz.ch/fachbereich/altersmedizin/angebot/vitamin-d/

ViaMedici: Knochen, Metabolische Osteopathien, Osteoporose, abgerufen am 1.April 2022 von:  https://viamedici.thieme.de

Leandra Ehrat

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Indem wir unsere Haut vor der Sonne schützen, tragen wir nicht nur massgeblich zur Prävention von Hautkrebs bei, sondern verhindern auch eine frühzeitige Hautalterung. Für einen optimalen Sonnenschutz sollte man folgende Massnahmen beachten: Sonne meiden, Sonnencreme verwenden, Hautbedeckung und eine Sonnenbrille tragen sowie direkte Sonne zwischen 11 und 15 Uhr vermeiden. Vor allem Kinder, Jugendliche und Personen mit heller Haut sollten sich besonders gut schützen. Die UV- Strahlung wird mittels UV-Index quantifiziert. Je höher die Zahl, desto stärker die Sonneneinstrahlung.

Krebsliga Empfehlungen

Hautbedeckung ist eine Möglichkeit, unsere Haut zu schützen. Wie gut Kleidung unsere Haut schützt, wird mit dem UPF-Wert ausgedrückt. Da dieser in der Regel nicht bekannt ist, ist er nicht wirklich alltagstauglich. Allgemein kann gesagt werden, dass schwerer, dicker, eng gewobener, dunkler Stoff, vorzugsweise aus Polyester oder Lycra, relativ gut vor der Sonne schützt.  Die Schutzfähigkeit eines Stoffes kann leicht eingeschätzt werden: Einfach den Stoff gegen das Licht halten, um zu sehen, wie licht(un)durchlässig er ist. Je lichtdurchlässiger der Stoff, desto geringer der Schutz. (Li et al., 2019)

Beim Sonnenschutz werden die Augen oft vergessen. Eine einfache Lösung, um die Augen zu schützen, ist eine Sonnenbrille mit UV-Filter. Wenn man vorsichtig sein will, kann man diese Massnahme noch mit einem grossen Sonnenhut ergänzen. (Li et al., 2019)

Die Anwendung von Sonnencreme birgt einige Tücken. Man sollte beim Auftragen der Sonnencreme nicht sparen; empfohlen ist eine Menge von mind. 2 mg/cm2 Haut, die zweimal, im Abstand von 15min aufgetragen werden soll (Krebsliga Schweiz, 2022). Empfohlen wird Breitspektrum-Sonnenschutz mit einem SPF von mind. 30, die gegen UVA- und UVB-Strahlung schützen. Höhere SPF-Werte können das inkorrekte Auftragen kompensieren. Sonnencreme sollte mindestens dreimal täglich aufgetragen werden. Nach Schwimmen, Schwitzen oder Reibung sollte man sich erneut eincremen. Sonnencreme sollte aufgetragen werden, bevor die Haut der Sonne aussetzt wird, und man sollte sie optimalerweise 15-30min einwirken lassen, bevor man schwimmen geht. (Li et al., 2019)

Pro 1000 Höhenmeter steigt die Intensität der UV-Strahlung um 10%. Durch Schnee oder Wasser kann sich die Intensität der Strahlung beinahe verdoppeln. Sonnenschutz ist in diesem Fall auch bei bewölktem Himmel unverzichtbar. (Krebsliga Schweiz, 2022)

Ultrasun Empfehlungen

Quellen

Li, H., Colantonio, S., Dawson, A., Lin, X., & Beecker, J. (2019). Sunscreen Application, Safety, and Sun Protection: The Evidence. J Cutan Med Surg, 23(4), 357–369. https://doi.org/10.1177/1203475419856611

Bild 1: Gerber, N. (2017). Krebsliga Schweiz. Abgerufen am 10. April 2022, von: https://issuu.com/krebsliga/docs/sonnenschutz-broschuere-01132001111?e=4169534/35175754

Bild 2: Ultrasun AG (2022). Abgerufen am 10. April 2022, von: https://www.ultrasun.com/de-CH/faq

Leandra Ehrat

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Der Hirnschlag ist ein leider häufig lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Jährlich erleiden schweizweit ungefähr 16‘000 Menschen einen Hirnschlag. Dieser Artikel soll einerseits Aufschluss darüber liefern, wie ein Hirnschlag entsteht und dann in einem zweiten Schritt aufklären, wie man als Laie im Notfall handeln muss. Die Versorgung des Gehirns ist im Vergleich zum Rest des Körpers speziell, da es viele Redundanzen gibt. Redundanzen sind Überlagerungen in der Versorgung von einem Gebiet. Es sind jedoch alles Endarterien, die das Gehirn versorgen; das bedeutet, dass es keine Verbindungen zwischen den Gefässen gibt. Wenn also eine solche Arterie verstopft ist und die Durchblutung dadurch gestört ist oder ganz verhindert wird, geht das direkt einher mit einem Versorgungsmangel, da Gefässverbindungen fehlen. Die Neuronen sind sehr empfindlich und nehmen schon nach Sekunden ohne Sauerstoff Schäden. Nach drei Minuten treten bereits erste irreversible Schädigungen auf. Je nach Grösse des Gefässes sind diese Zelluntergänge klinisch unauffällig oder es treten Symptome auf, bei denen rasch gehandelt werden muss.

Zuerst jedoch zur Entstehung des Schlaganfalls: Ein Schlaganfall entsteht wie bereits angedeutet durch eine Durchblutungsstörung von Hirnarealen. Die Durchblutungsstörung kann verschiedene Ursachen haben, kommt jedoch meistens daher, dass sich arteriosklerotische Plaques in der Wand eines in der Regel arteriellen Gefässes lösen und diese Plaques zu einem festen Gerinnsel, fachsprachlich Thrombus, auflagern. Diese Thromben zirkulieren dann und verstopfen im Falle eines Hirnschlags eine Endarterie des Gehirns. Doch was sind arteriosklerotische Plaques? Diese Plaques sind das Resultat der Arteriosklerose, eine Erkrankung der Arterien, die im Volksmund als Gefässverkalkung bekannt ist. Die Verkalkungen treten sehr schleichend auf und können klinisch jahrelang unauffällig sein. Sie führen jedoch zu einer Wandverdickung und somit zu einer Verengung und einer erhöhten Steifigkeit des Gefässes, was sich beides negativ auf den Blutfluss auswirkt. Wenn man sich die Arteriosklerose verbildlicht vorstellen will, sollte man an ein altes Leitungsrohr denken, in dem sich gewisse Stoffe ablagern, wodurch das Rohr keinen optimalen Fluss mehr gewährleisten kann. Die angelagerten Materialien in Gefässen sind vor allem Kalk, Fette und kleine Bindegewebsbestandteile.

Wenn Sie bei einer Person den Verdacht auf einen Hirnschlag hegen, dient die sogenannte F.A.S.T. Methode der Überprüfung. „Fast“ impliziert, dass es schnell gehen muss, zudem ist es die Abkürzung für die vier wichtigsten und einfachsten Checks:

  • F: Face – Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel, ist das ein starkes Anzeichen für einen Hirnschlag. Es sieht fast aus wie eine einseitige Gesichtslähmung, da oft die gesamte mimische Muskulatur betroffen ist, weil diese von einem einzigen Hirnnerv (Nervus facialis) innerviert wird.
  • A: Arms – Fordern Sie die betroffene Person auf, ihre Arme zu heben. Geben Sie genaue Anweisungen bezüglich der Richtung. Kann das nicht umgesetzt werden oder gibt es starke Unterschiede zwischen den beiden Seiten, haben Sie einen fundierten Verdacht.
  • S: Speech – Bitten Sie die Person, einen simplen Satz nachzusprechen. Gelingt das nicht, oder ist die Sprache sehr unklar, verdichten sich die Anzeichen stärker.
  • T: Time – Wählen Sie den Notruf und schildern Sie die Ausführung der verschiedenen Elemente der F.A.S.T. Methode. Nun gilt aufgrund der fehlenden Regenerierbarkeit der Neuronen der Leitsatz „Time is brain“, da die irreversiblen Schädigungen des Gehirns mit jeder Minute mehr werden.

Häufig werden vonseiten der Patienten auch diffuse Kopfschmerzen angegeben. Auch ein gestörtes Gangbild kann (wenn die Ergebnisse der F.A.S.T. Methode auf einen Hirnschlag deuten) ein weiteres Indiz sein. Die F.A.S.T. Methode ist sehr hilfreich, wenn bereits ein Notfall vorliegt. Die meist zugrundeliegende Arteriosklerose verstärkt sich jedoch nur sehr schleichend. Hier gibt es sehr viele präventive Ansätze, die dazu führen können, dass ein Schlaganfall gar nicht erst auftritt. Die stärksten Risikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Doch weshalb sind dies Risikofaktoren? Das Rauchen und die ungesunde Ernährung, vor allem wenn sie einseitig fettlastig ist, begünstigt die Arteriosklerose. Die molekulare Ursache liegt bei einer fettlastigen Ernährung auf der Hand: Wenn mehr Fette absorbiert werden, zirkulieren diese auch zu einem höheren Anteil im Blut und werden vermehrt abgelagert. Beim Rauchen sind die Tabakgase, die über die Lunge ins Blut gelangen, die Ursache. Die giftigen Substanzen im Tabakrauch, vor allem Kohlenmonoxid und Benzpyren, greifen zudem das Endothel der Gefässwand an, und dieses wird dadurch vermehrt von zirkulierenden Fetten überlagert. Bewegungsmangel wiederum geht oft einher mit Übergewicht, und übergewichtige Personen haben meist einen erhöhten Fettanteil, der sich dann auch negativ auf eine mögliche Arteriosklerose auswirkt.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass bei einem Hirnschlag schnell gehandelt werden muss. Essentiell ist hierbei, dass ohne Notruf keine Hilfe geleistet werden kann, denn im Gegensatz zum Herzinfarkt können Sie einem Patienten mit einem Hirnschlag ohne die benötigte Ausrüstung nicht akut helfen. Die F.A.S.T. Methode ist die wichtigste und am häufigsten angewandte Methode, wenn Hirnschläge von Laien beurteilt werden müssen. Zuletzt erwähnt wurden die vielen wichtigen Risikofaktoren, die es im Zusammenhang mit der Prävention und einem gesunden Lebensstil zu beachten gilt.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Durch die Coronapandemie ist die medizinische Forschung vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei wurden häufig Forschungsstadien erwähnt, oft wurde der genaue Prozess jedoch nicht oder nur spärlich beschrieben. Dieser Artikel soll Aufschluss darüber geben, was zwischen der Idee einer neuen Therapie oder eines neuen Medikaments und der breiten klinischen Anwendung alles geschieht und worauf geachtet werden muss. Bei der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs gibt es strikte Phasen, die genau definiert sind und strengstens eingehalten werden müssen. Daneben gibt es verschiedene Zulassungsprüfungen. Zwei der Zulassungsprüfungen sind besonders wichtig. Die erste findet beim Übergang von Tierversuchen zu klinischen Forschungsphasen, bei denen Patienten einbezogen werden, statt. Die zweite betrifft die finale Zulassung. Wenn die finale Zulassungsprüfung erfolgreich war (diese Prüfung wird in der Schweiz von Swissmedic durchgeführt) darf das Medikament vermarktet werden.

Bei der medizinischen Forschung ist die Evidenz unabdingbar. Medizinische Forschung ist im Prinzip also das Nachweisen von Wirksamkeit. Hierbei gibt es für die Forschenden einen kleinen aber feinen Unterschied: Sie weisen nach, aber beweisen nicht. Man kann es als Wortspielerei auffassen, der Unterschied liegt jedoch darin, dass ein Nachweis im Gegensatz zum Beweis mehr Spielraum lässt für individuelle Abweichungen. Die evidenzbasierte Medizin ist nicht nur essentiell für Zulassungen, auch unser Krankenkassensystem funktioniert über evidenzbasierte Medizin, wenn es darum geht, was finanziert wird und was nicht. Die Wirksamkeit eines Stoffes muss mit Zahlen belegt werden können und es muss belegt werden können, dass die Wirksamkeit höher ist als bei einem bereits etablierten ähnlichen Stoff. Man braucht also immer einen Vergleichswert. Oftmals wird als Kontrolle auch eine Placebogruppe verwendet anstelle eines bereits etablierten Wirkstoffs. Doch wie sieht nun der Ablauf einer solchen Studie aus, die beispielsweise ein neues Medikament auf den Markt bringen will? Ganz grundsätzlich werden bei der Erforschung drei Ziele verfolgt: Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. Das sind auch die Kernfragen bei Zulassungsprüfungen und diese drei Schlagworte sind gesetzlich verankert.

Die zeitliche Abfolge besagt, dass zuerst eine präklinische Testung erfolgt, bei der vor allem Tierversuche und das Untersuchen von Zellkulturen im Labor im Zentrum der Forschung stehen. Die klinischen Studien werden dann in verschiedene Phasen unterteilt. In der Regel werden vier Phasen unterschieden. Sowohl die Dauer als auch die Anzahl der Testpersonen nimmt mit jeder Phase zu! Die erste Phase dient dazu, die Verträglichkeit und Sicherheit des Medikaments zu prüfen. Dabei macht es natürlich Sinn, nur wenige Testpersonen einzubeziehen. Zudem müssen diese Testpersonen gesund sein. Das sind also nicht Personen, die an der Erkrankung leiden, auf die das Medikament abzielt. In der zweiten Phase werden Optimierungen bezüglich des Therapiekonzepts, der Verabreichungsform und der Dosis untersucht. Da ist die Sicherheit schon gewährleistet, weil die klinische Forschung niemals in eine nächste Phase übergehen kann, wenn die davorliegende  Phase nicht alle Kriterien erfüllt.  Bei Untersuchungen in der zweiten Phase steht also die Wirksamkeit als eines der drei Basisziele im Fokus.

Studien der Phase 3 sind die klassischen Zulassungsstudien, bei denen es um einen Wirkungsnachweis geht, ohne die anderen zwei Basisziele zu vernachlässigen. In dieser Studienphase werden bei gross angelegten Studien bereits bis zu 10‘000 Testpersonen einbezogen und es können mehrere Jahre dafür beansprucht werden. Nach erfolgreich bestandener dritter Phase ist das Medikament zugelassen. Man könnte meinen, dass die Forschung somit vorbei ist – dem ist jedoch nicht so. Die vierte und letzte Phase, die einzige „post-Zulassungsphase“ dient der Anwendungsbeobachtung. Dabei geht es darum, wie sich das neue Medikament im Spital-/Praxisalltag etabliert oder auch wie der Umgang und die Expertise vonseiten des Fachpersonals aussieht. Zudem dient diese Phase zu einem grossen Teil auch dem Marketing dieses neu zugelassenen Medikaments.

In der Regel werden in der klinischen Testung unter den Studienteilnehmer*innen zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe erhält das neue Medikament und die zweite Gruppe erhält ein bereits existierendes vergleichbares Medikament (aktiv kontrolliert) oder ein Placebo (placebokontrolliert). Ein Placebo ist ein nicht wirksames Präparat, das vom zu untersuchenden Medikament nicht unterschieden werden kann und den Teilnehmenden der einen Gruppe verabreicht wird. Hierbei ist entscheidend, dass die Studienteilnehmenden nicht wissen, in welcher Gruppe sie sich befinden! Auch die durchführenden Personen wissen in der Regel nicht, welche der beiden Optionen sie verabreichen. Das nennt man eine „doppelte Verblindung“. Der Patient/Teilnehmende weiss also nicht, zu welcher Gruppe er gehört und die forschende Person auch nicht. Ein zweites wichtiges und sehr ähnliches Prinzip ist die Randomisierung. Die Randomisierung beschreibt das zufällige Bilden der beiden Studiengruppen. Durch Zufall wird bei genügend grosser Zahl an Teilnehmenden die maximale Vergleichbarkeit zwischen den Gruppen gewährleistet.

Zum Abschluss möchte ich noch eine sehr grosse Frage der medizinischen Forschung aufgreifen nämlich die Kosten. Die Finanzierung geschieht oftmals durch grosse Pharmafirmen. Dabei ist es leider so, dass oftmals die Kosten der limitierende Faktor sind und nicht das technische oder geistige Wissen der Forscher. Ein sehr faszinierendes Beispiel dafür, wie zentral die Kosten in der medizinischen Forschung sind, ist in der Kontrazeption zu finden. Was ist der Grund, dass es bis heute keine Pille für den Mann gibt? Die biologischen Grundlagen dafür zu erforschen wäre keine unlösbare Aufgabe und auch die klinischen Studienphasen wären gut umsetzbar. Das Problem ist vielmehr das Geld. Wieso sollte ein Pharmariese Geld in die Forschung eines Präparats investieren, wenn er bereits immense Summen einnimmt durch die herkömmliche Anti-Baby-Pille für die Frau. Er wäre zwei Risiken ausgesetzt: Erstens hat er keine Garantie dafür, dass die Forschung zum gewünschten Ergebnis kommt. Zweitens würde es bei einem Studienerfolg automatisch zu einem Umsatzverlust bei der Pille für die Frau kommen. Das soll als Beispiel dafür dienen, dass die medizinische Forschung sehr oft kosten- und nicht wirklich patientenzentriert ist.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Bei medizinischen Notfällen ist rasches aber dennoch korrektes Handeln erfordert oder sogar überlebenswichtig. In diesen Artikel erkläre ich, wie man sich bei einer Reanimierung verhalten sollte und wann man überhaupt reanimieren muss. Bevor ich mich im Medizinstudium mit Notfällen und deren Umgang beschäftigt habe, war für mich der Nothelferkurs der einzige Berührungspunkt mit medizinischen Notfällen. Das Wissen aus dem Nothelferkurs ist bei mir über die Jahre etwas eingerostet und falls auch Sie Ihr Wissen über die Notfallmedizin auffrischen und erweitern möchten, ist dieser Artikel genau der Richtige.

Die ausschlaggebenden Kriterien für eine Reanimierung haben sich vor Kurzem geändert. Früher ging man davon aus, dass eine Person, die bewusstlos ist und keinen Puls hat beatmet werden muss. Das ist zwar auch heute noch richtig, aber heute wird noch ein zusätzlicher Aspekt miteinbezogen. Die aktuellen Kriterien für eine Reanimierung sind:

  1. Eine Person ist bewusstlos.
  2. Diese Person atmet abnormal oder gar nicht.

Wichtig ist, dass beide Kriterien erfüllt sein müssen. Die abnormale Atmung wurde in die Kriterien aufgenommen, weil sie bei gleichzeitiger Bewusstlosigkeit ein starkes Indiz für einen Kreislaufstillstand ist. Selbst wenn es bei diesen neuen Kriterien eine leichte Übertherapie geben könnte, wiegt die erhöhte Mortalität ohne Reanimierung schwerer als das Risiko, fälschlicherweise eine Wiederbelebung einzuleiten. Einfacher formuliert gilt bei den Wiederbelebungskriterien also das Motto: «Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig». Das gilt jedoch nur, wenn beide Kriterien, also Bewusstlosigkeit und abnormale Atmung, zutreffen.

Nicht nur bei den Kriterien für eine Reanimierung, sondern auch bei der Reanimierung selbst gab es in den letzten Jahren Aktualisierungen. Die Herzdruckmassage (der geeignetere Begriff wäre die Thoraxkompression) ist dabei konstant geblieben und wird es vermutlich auch in Zukunft bleiben. Die Beatmungen jedoch haben in den letzten Jahren Diskussionen ausgelöst. Von «keine Beatmung» über «Mund-zu-Mund-Beatmung» bis zur «Mund-zu-Nase-Beatmung» wurde alles genannt und von Fachexperten diskutiert. Der aktuelle Konsens besagt, dass man auf die “alte Methode“ der Mund-zu-Mund-Beatmung setzt. Aber auch die Mund-zu-Nase-Beatmung birgt keine signifikanten Nachteile. Wenn eine Person, die Sie reanimieren müssen, beispielsweise im Mund blutet, bietet sich die Mund-zu-Nase-Beatmung an, um Sie als reanimierende Person vor einer Infektion zu schützen.

Der Rhythmus zwischen Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage) und Beatmungen liegt bei 30:2. Nach 30 Kompressionen erfolgen also zwei Beatmungen. Doch wie macht man das korrekt? Für die Thoraxkompressionen knien Sie seitlich neben der zu reanimierenden Person. Es kommt nicht darauf an, von welcher Seite Sie reanimieren, da die Hände auf dem Brustbein, welches zentral liegt, eingesetzt werden. Dann legen Sie den Handballen mit gestrecktem Arm auf die untere Hälfte des Brustbeins der zu reanimierenden Person. Die zweite Hand kommt ebenfalls mit gestrecktem Arm auf die erste Hand und die Finger werden entweder übereinandergelegt oder verzahnt. Für die Kompressionen sind drei Faktoren wichtig:

  1. Die Drucktiefe — sie soll ungefähr 5cm betragen
  2. Die Frequenz — sie soll bei ca. 120 Stössen pro Minute liegen (als Orientierung für die Frequenz können Sie das im Namen passende Lied «Stayin‘ alive» von den Bee Gees zur Hilfe nehmen)
  3. Den Brustkorb nach einer Kompression ganz ausdehnen lassen

Für die korrekten Kompressionen ist es zudem wichtig, dass die Arme immer gestreckt bleiben und senkrecht über dem Brustbein positioniert sind. Die Beatmungen sind technisch gesehen einfacher. Egal ob sie eine Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase-Beatmung machen, gibt es zwei Dinge, die Sie beachten müssen:

  1. Die Öffnung (Mund oder Nase), die Sie beatmen, muss von Ihrem Mund komplett umschlossen sein (die Öffnung darf nicht undicht sein).
  2. Die jeweils andere Öffnung müssen Sie aktiv zuhalten. Ansonsten gelangt die Luft gar nicht erst zur Lunge. Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung zum Beispiel muss also die Nase aktiv zugehalten werden.

Was neben den Kompressionen und den Beatmungen auch sehr wichtig ist, ist die Defibrillation. Wenn ein Defibrillator verfügbar ist, hat dieser die höchste Priorität, weil die Überlebenschancen mit Defibrillator am besten sind. Falls Sie daher in eine Reanimierungssituation gelangen, bei der Sie nicht alleine sind, sollte eine Person unbedingt den Notruf übernehmen und einen Defibrillator suchen, während die andere Person mit 30:2 Thoraxkompressionen und Beatmungen beginnt. Falls sie jedoch alleine sind, bleiben Sie immer beim Patienten und setzen Sie den Notruf ab, während Sie die Reanimierung vorbereiten (Oberkörper frei machen etc.). Hierbei ist es hilfreich, wenn Sie bei Ihrem Telefon die Lautsprecheranlage aktivieren, da Sie sich dann mehreren Notfallmassnahmen gleichzeitig widmen können.

Wenn man nun alles bisher Erwähnte zusammensetzt, erhält man den korrekten Ablauf einer Reanimierung:

  1. Bei bewusstloser Person überprüfen, ob die Atmung normal ist
  2. Falls nicht sofort den Notruf absetzen
  3. Den Oberkörper frei machen und mit 30 Thoraxkompressionen starten
  4. Darauf folgen 2 Beatmungen
  5. Im 30:2-Rhythmus fortfahren
  6. Sobald ein Defibrillator eintrifft, diesen einschalten und den Anweisungen folgen

Beim Defibrillator ist es ganz wichtig, dass Sie die Thoraxkompressionen fortführen, während die zweite Person die Elektroden anbringt. Die Kompressionen werden nur während des Schocks durch den Defibrillator unterbrochen. In dieser Zeit darf den Patienten niemand berühren (das Gerät gibt diese Anweisung deutlich). Der Defibrillator schockt alle zwei Minuten. Wechseln Sie die Position, vorausgesetzt Sie sind zu zweit, jedes Mal, wenn das Gerät einen Schock vorbereitet. Diese Wechsel geschehen aus einem ganz einfachen Grund: Thoraxkompressionen über einen längeren Zeitraum sind physisch sehr anstrengend.

Die Medizin im Notfall ist sehr simpel und ein Notfall lässt normalerweise keine Zeit für grosse Überlegungen. Daher ist es enorm wichtig, dass logische Abfolgen gelehrt werden, welche auch für medizinische Laien leicht umsetzbar sind. Um dieses Thema abzuschliessen möchte ich noch etwas Physiologisches aufgreifen. Im Artikel wurde erwähnt, dass «Herzdruckmassage» eine unglückliche Bezeichnung ist und stattdessen «Thoraxkompressionen» verwendet werden sollte. Die Herzdruckmassage impliziert, dass wir durch das Drücken das Herz der zu reanimierenden Person “massieren“ und so von aussen einen regelmässigen Herzschlag erzeugen. Das ist jedoch nicht korrekt. Die Kompressionen ändern am Herz wenig bis gar nichts. Was jedoch passiert, ist eine intrathorakale Druckveränderung, also eine Druckveränderung im Thoraxbereich. Diese Druckveränderungen ermöglichen einen Blutfluss in den thorakalen Blutgefässen. Wenn das Herz als zentrale Pumpe aufgrund eines Kreislaufstillstands ausfällt, übernimmt also die reanimierende Person durch die Thoraxkompressionen die Druckveränderungen von aussen (vgl. Artikel zur Physiologie des Herzens: «Ohne Druckdifferenz kann kein Blut fliessen!»). Die Vorstellung, dass die reanimierende Person das Herz von aussen zusammenpresst, ist jedoch falsch.

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)