Obstruktive Schlafapnoe

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Die sogenannte Schlafapnoe bezeichnet eine Atemstörung, bei der es zu periodischen Atemaussetzern (sogenannten Apnoen) und Reduktionen des Atemflusses (sogenannten Hypopnoen) im Schlaf kommt. Grob lässt sich die Symptomatik in zwei Bereiche aufteilen, in die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe. Für die zentrale Schlafapnoe ist ein verringerter Atemantrieb ursächlich, das bedeutet, der Körper «vergisst» zu atmen. Dazu muss man wissen, dass die Atmung im menschlichen Körper unbewusst gesteuert wird und aus einem komplexen Mechanismus mit mannigfaltigen Einflussfaktoren besteht. Durch vielfältige Störungen, wie Verletzungen des Hirnstamms, Schädel-Hirn-Traumata, Hirntumore oder Störungen von Atmungs-Rezeptoren im Körper, kann die Steuerung der Atmung beeinträchtigt werden, was eine zentrale Schlafapnoe begünstigen kann.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe hingegen ist der Atemantrieb des menschlichen Körpers intakt. Bei dieser Störung ist ein erhöhter Widerstand der oberen Atemwege ursächlich für die Problematik. Um dies zu verstehen, muss zuerst auf den Mechanismus der menschlichen Atmung eingegangen werden. Wenn wir einatmen, dehnen wir unseren Brustkorb aus. Dies führt im Vergleich zum Umgebungsdruck zu einem erniedrigten Druck in den Atemwegen und lässt die Luft von aussen in Richtung Lunge strömen. Dabei gibt es einen problematischen Bereich in den Atemwegen, nämlich den Rachen. Wo andere Teile der Luftwege wie Nase oder die unteren Atemwege durch ihren Aufbau solid stabilisiert werden, wird der Rachen allein durch Muskeln offengehalten, was eine gewisse Instabilität begünstigt. Im Wachzustand führt dies normalerweise nicht zu Problemen. Wenn wir jedoch schlafen, entspannen sich die Muskeln im Körper. Wird der Rachen im Schlaf nun beim Einatmen nicht mehr ausreicheichend durch die umgebenden muskulären Strukturen stabilisiert und geöffnet, kommt es in einem ersten Schritt zum Schnarchen und bei weiterem Kollaps des Rachens zu Atemaussetzern.

Der Grad der Entspannung der Muskeln wird dabei ebenfalls durch die Schlafphase beeinflusst. Ein weiterer Faktor ist, dass wir im Vergleich zum restlichen Alltag beim Schlafen liegen. Das Liegen führt dazu, dass sich die Flüssigkeit im Körper neu verteilt. Diese Umverteilung in Richtung Hals führt zu weiterem Druck auf die stabilisierenden Strukturen des Rachens. Kommt es nun durch die Verengung des Rachens bei der Einatmung im Schlaf zu Hypopnoen oder Apnoen, wird der Körper folglich ungenügend mit Atemluft, und daher mit Sauerstoff, versorgt. Dies führt dazu, dass die betroffene Person kurz aufwacht und häufig auch kurz nach Luft ringt. Diese Reaktion geschieht, um die Atmung für kurze Zeit wieder zu stabilisieren und die Versorgung mit Sauerstoff wieder sicherzustellen. Dabei ist anzumerken, dass man sich an diese Wachphasen häufig nicht erinnern kann, da sie nur von sehr kurzer Dauer sind. Das wiederholte kurze Aufwachen resultiert in einem fragmentierten und damit wenig erholsamen Schlaf. Daher klagen Betroffene häufig über erhöhte Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit, was die Lebensqualität erheblich einschränken kann. Ein weiteres Anzeichen können morgendliche Kopfschmerzen sein, die der nächtlichen Sauerstoff-Unterversorgung geschuldet sind. Andere Anzeichen der Störung, wie unregelmässiges, lautes Schnarchen, häufiges Aufwachen und Schnappen nach Luft, können jedoch meist nur durch den Bettpartner beobachtet werden.

Ein Haupt-Risikofaktor für die obstruktive Schlafapnoe ist Übergewicht. Bei übergewichtigen Personen kommt es vermehrt zu einer Einlagerung von Körperfett im Halsbereich. Dies kann die Verengung der Atemwege begünstigen. Weitere Risikofaktoren stellen Herz-Kreislauferkrankungen dar. Dabei kann die Schlafapnoe die Herz -Kreislauferkrankungen ebenfalls wechselseitig negativ beeinflussen. Werden bei vermehrter Tagesmüdigkeit Symptome einer Schlafapnoe beobachtet und hat der Patient Risikofaktoren, ist eine Abklärung der Beschwerden angebracht. Um eine obstruktive Schlafapnoe zu diagnostizieren, wird im ersten Schritt eine allgemeine Abklärung bezüglich Symptomatik etc. durchgeführt. Dabei wird auch untersucht, ob die Tagesschläfrigkeit womöglich aus anderen Gründen resultiert. Anschliessend wird häufig eine Polygraphie oder Polysomnographie durchgeführt. Dort werden die verschiedenen Parameter der Atmung im Schlaf direkt gemessen und mögliche Atemstörungen können dadurch effektiv erkannt werden.

Nachdem eine obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert wird, kommen verschiedene Behandlungsansätze in Betracht. Zuerst ist zu klären, ob durch die Schwere der Atmungsstörung sowie das Ausmass der Beeinträchtigung in Kombination mit weiteren Risikofaktoren eine Therapie vonnöten ist. Häufig wird bei übergewichtigen Betroffenen zunächst eine Gewichtsreduktion empfohlen. Dies kann längerfristig bereits zu einer Verbesserung der Symptomatik führen. Häufig wird jedoch eine Beatmungstherapie induziert. Bei dieser Therapie tragen die Betroffenen während des Schlafes eine Maske, welche Mund oder Nase oder beides bedeckt. Diese Maske ist mit einem Gerät verbunden, welches einen positiven Druck auf die Atemwege produziert. Das hat den Effekt eines Überdrucks in den Atemwegen, welcher diese offenhält und dadurch den Kollaps des Gaumens vermindert. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es sich lohnt, bei Tagesmüdigkeit und vorhandenen Risikofaktoren wie Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Arzt zu gehen und die Beschwerden abklären zu lassen. Häufig lässt sich durch niederschwellige Massnahmen die Schlaf- und damit die Lebensqualität erheblich verbessern.

Quelle

Stuck, B. A., Maurer, J. T., Schlarb, A., Schredl, M., & Weeß, H.-G. (Hrsg.) (2018). Praxis der Schlafmedizin. Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie bei Erwachsenen und Kindern (3., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage). Berlin & Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54383-2

Stefan Reutimann

Master of Science in Health Science and Technology
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

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