Gesundheit und Kunst

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Kunst für mein System

Kunst kann aktiv wie passiv wirken. Wenn ich aktiv gestalte, hat das grosse Auswirkungen auf mein System: ich verbessere meine Feinmotorik und Koordination, ich trainiere meine beiden Hirnhälften in Logik und Kreativität – idealerweise synchronisiere ich sie sogar – und ich kann meinem Innersten ohne Worte Ausdruck verleihen. Ich werde ruhiger und entspannter, weil ich mehr bei mir bin und weniger in der Ablenkung, im «Aussen»; zudem macht meine Amygdala – das Angstzentrum im Gehirn – Pause. Ich entdecke Neues, und ich lasse meiner Fantasie freien Lauf ohne Angst vor Experimenten. Alles ist erlaubt, alles ist möglich und ich werde zum Schöpfer oder zur Schöpferin.

Kunst für meine Gesundheit

Was hat Malen mit der Gesundheit zu tun? Wenn ich kreativ bin, erschaffe ich etwas. Immer wenn ich Schöpfer oder Schöpferin bin, gebe ich meinem Leben einen Sinn. Ich trage zur Verschönerung der Umgebung bei oder zur Freude der Mitmenschen an meinem Erschaffenen. Das hilft mir, mich wertvoll zu fühlen, indem ich mich wahrnehme und ausdrücke. Wenn ich in die Eigenwahrnehmung gehe und mich ermächtige, kreativ zu sein, reduziere ich Stress und Angst, weil ich nicht fremdbestimmt bin. Ich senke den Level der Stresshormone, was in Verbindung mit dem gesamten Hormonsystem von Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse steht, der Blutdruck normalisiert sich, was wiederum das Herz-Kreislauf-System entlastet, und das Immunsystem beruhigt sich, was meine Anfälligkeit für unzählige Erkrankungen wie auch Autoimmunerkrankungen reduziert. Das ist gut für die Gesundheit!

Wenn ich allein male, bin ich ganz bei mir, vertieft in mein Tun. Das kann eine meditative Wirkung haben. Die Gedanken ruhen, die Seele baumelt und ich entspanne mich.  Wenn ich in einer Gruppe male, kann ich meine Kreativität mit anderen verbinden, wir kommen in Fluss, was mir das Gefühl von Zugehörigkeit, Gruppenbewusstsein, Verbundenheit und Vernetztheit vermitteln kann. Das ist gut für die Gesundheit!

Kreatives Arbeiten hilft nicht zuletzt, meiner Gefühlswelt ein Gefäss zu geben, da ich mich durch das Malen ausdrücken kann. Emotionen wie Angst, Wut, aber auch Freude finden eine Plattform, werden gesehen und durch den kreativen Akt transformiert in Farbe und Formen. Danach fühle ich mich leichter und freier. Auch das ist gut für die Gesundheit!

Kunst als Informationsträger

Kunst kann auch nutzbar gemacht werden, um Informationen zu transportieren. Es gibt faszinierende Untersuchungen, wie Gemälde und Installationen – als passiver Kunstgenuss – Menschen inspirieren und motivieren können, etwas aktiv anzugehen, beispielsweise im Zusammenhang mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit (Klöckner & Sommer 2019).

Andere Studien zeigen, wie Kunst – als aktive Praxis – zum Weg des Ausdrucks für demente Menschen wird und sie zur Sprache kommen lässt (Lee, 2019; Pongan et al., 2020). Wenn der Selbstausdruck stattfinden darf, stärkt das auch die Resilienz (Newman, 2019). Bei Schülern konnte beobachtet werden, dass sich ihre Noten in anderen Fächern verbesserten, wenn sie den Kunstunterricht besuchten (Hardiman, 2019). Aufmerksamkeit wie Gedächtnisleistung waren markant verbessert (ebd.).

Der aktive wie passive Kunstgenuss kann Symptome wie Schmerzen, Depressionen oder neurologische Probleme lindern. Die Lebensqualität wird gefördert. Schon ein Museumsbesuch wirkt nachhaltig positiv, noch mehr aber profitiert man, wenn man selbst künstlerisch aktiv wird.

Therapeutisches Malen

In künstlerischen Prozess werden schöpferische Energien in Farbe und Form transformiert. Gedanken und Gefühle finden ihren Ausdruck ohne Worte und damit auch oft unmittelbarer als über die Sprache oder Schrift. Es kann bei psychischen Störungen helfen, in Kommunikation zu kommen oder aber die Konzentration zu stärken wie auch die innere Unruhe zu bremsen. Verdrängtes und in der Tiefe Abgespeichertes kann zum Ausdruck gelangen. Da wir unter anderem in Bildern denken, ist Malen eine grossartige Möglichkeit, Verdrängtes an die Oberfläche zu bringen, ins Bewusstsein zurückzuholen. Verdrängen raubt unendlich viel Energie. Diese kann transformiert werden, wenn sich über die kreative Betätigung neue Lösungswege eröffnen.

Kunst kann die Selbstheilung in Schwung bringen. Ob ich den passiven oder aktiven Kunstgenuss bevorzuge und von welcher Form ich eher profitiere, hängt auch von mir selbst und meinen Vorlieben ab. Hier gilt es, auszuprobieren, was mir in meiner individuellen Situation eher entspricht und wie ich bestmöglich mithilfe der Kunst den Zugang zu meinem Inneren finden kann.

Quellen

Hardiman, M. (2019). The effects of arts-integrated instruction on memory for science content. Trends in Neuroscience and Education, 14, 25–32. DOI: 10.1016/j.tine.2019.02.002

Klöckner, C.A., & Sommer, L.K. (2019). Does activist art have the capacity to raise awareness in audiences? A study on climate change art at the ArtCOP21 event in Paris. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts. DOI: 10.1037/aca0000247

Newman, A. (2019): The role of the visual arts in the resilience of people living with dementia in care homes, Ageing & Society, 39(11), 2465–2482. DOI:10.1017/S0144686X18000594

Pongan, E. et al. (2020). Immediate benefit of art on pain and well-being in community-dwelling patients with mild Alzheimer’s. American Journal of Alzheimer’s Disease & Other Dementias, 35. DOI: 10.1177/1533317519859202

Lee, R. (2019). Art therapy for the prevention of cognitive decline. The Arts in Psychotherapy, 64, 20–25. DOI:10.1016/j.aip.2018.12.003

Dipl. med. Andrea Bieler Bühler

Dipl. med. Andrea Bieler Bühler

Leiterin Komplementärmedizin (MED4LIFE)

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