Der Reflux, oder medizinisch auch die gastroösophageale Refluxkrankheit (Abkürzung GERD) genannt, ist eine Erkrankung, unter der 10-20% der Bevölkerung leiden. Umgangssprachlich wird es als Sodbrennen bezeichnet.

Unsere Speiseröhre (Ösophagus) reicht als Schlauch vom Mund bis zum Magen. Der untere Teil der Speiseröhre wird von einem Muskelring, dem sogenannten Ösophagussphinkter umschlossen. Dieser Sphinkter hat die Funktion, den unteren Teil der Speiseröhre zu verschliessen, damit keine Magensäure und Speisereste aus dem Magen in die Speiseröhre zurückfliessen können. Beim Essen ist dieser Sphinkter normalerweise geöffnet, damit die Nahrung in den Magen gelangen kann. Der Magen schützt sich selbst vor der Magensäure durch eine spezielle Magenschleimhaut. Da die Speiseröhre keine solche schützende Schleimhaut besitzt, wird sie deshalb durch zurückfliessende Magensäure gereizt oder sogar geschädigt. Dies wird als Reflux bezeichnet. Ein solcher Reflux geschieht, wenn der Druck im Magen zu hoch ist und der Ösophagussphinkter deshalb nicht korrekt schliessen kann. Ein Reflux wird zudem begünstigt durch eine Gewichtsszunahme, fetthaltige Speisen, Koffein- und kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, Tabakkonsum und bestimmte Medikamente. Der Reflux tritt auch je nach körperlicher Position vermehrt auf, zum Beispiel im Liegen, weil die Schwerkraft nicht wirken kann.

Das typische Symptom des Refluxes ist das Sodbrennen, das Patienten als brennende Schmerzen hinter dem Brustbein beschreiben. Die Regurgitation, umgangssprachlich saures Aufstossen, kann das Sodbrennen begleiten. Bei der Regurgitation gelangt Mageninhalt wieder zurück in die Speiseröhre, teilweise sogar bis in den Mund, was zu Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten oder dem Gefühl, einen Kloss im Hals zu haben, führen kann. Selten kann der Mageninhalt auch in die Lunge gelangen, was wiederum zu Husten oder Atemproblemen führen kann. Bei einem chronischen, also langanhaltenden Reflux können Betroffene teilweise eine Schluckstörung entwickeln. Seltenere Symptome des Refluxes sind ein unangenehmer Geschmack im Mund, Oberbauchschmerzen, chronische Lungenerkrankungen und säurebedingte Zahnschäden. Wenn die Magensäure über längere Zeit in die Speiseröhre zurückfliesst, kann dies zu Geschwüren in der Speiseröhre, Verengung der Speiseröhre, Speiseröhrenentzündung, Veränderung der Zellen der Speiseröhrenschleimhaut oder zu fehlgebildeten Zellen in der Speiseröhre führen. Die fehlgebildeten Zellen können nach einer Zeit zu Speiseröhrenkrebs entarten.

Um die Refluxkrankheit zu diagnostizieren, müssen die oben beschriebenen Symptome mindestens einmal pro Woche auftreten. Der Reflux ist in der westlichen Bevölkerung ein relativ häufiges Problem. Das Auftreten ist unter Männern und Frauen gleichmässig verteilt. Die Diagnose eines Refluxes wird meist mit einer Endoskopie der Speiseröhre und dem Magen sowie mit einer Gewebsprobenentnahme gestellt. Ein weiterer möglicher Test ist die pH-Wert Bestimmung, bei der der Säuregehalt der Speiseröhre gemessen wird. Weiter gibt es noch die Manometrie, bei der der Druck des Ösophagussphinkters gemessen wird.

Es gibt viele Möglichkeiten, um einem Reflux vorzubeugen. Dazu gehören ein reduzierter Alkoholkonsum, ein Rauchstopp, ein gesundes Körpergewicht und der Verzicht auf üppige Mahlzeiten. Eine Erleichterung bringt auch ein erhöhtes Kopfteil des Bettes, damit der Reflux durch die Schwerkraft weiter reduziert wird. Wenn die Lebensstilanpassungen nicht wirken, wird der Reflux medikamentös mittels Protonenpumpenhemmer oder manchmal auch mittels Histamin-2-Blocker behandelt. Der Protonenpumpenhemmer dient zur Verminderung der Magensäureproduktion und stellt die wirksamste Behandlung des Refluxes dar. Damit diese Medikamente ihre Wirkung vollständig entfalten können, müssen sie über eine Dauer von vier bis zwölf Wochen eingenommen werden.

Sollten die Beschwerden bestehen bleiben gibt es als letzte Option noch die Operation, die sogenannte Fundoplikatio. Diese Operation wird Patienten angeboten, die die Medikamente nicht vertragen, keine Dauermedikation einnehmen möchten, oder bei denen sehr grosse Mengen an Magensäure in die Speiseröhre zurückfliessen und so sekundär zu Geschwüren, Blutungen oder Entzündungen führen. Die Operation wird minimalinvasiv mit einem Laporoskop gemacht. Es gibt verschiedene Operationsarten. Das Ziel ist bei allen, dass der Übergang der Speiseröhre zum Magen verengt wird, damit dort keine Magensäure mehr zurückfliessen kann.

Durch die Veränderungen im Magen nach dem Eingriff kann es zu unerwünschten Symptomen kommen, die die Lebensqualität verschlechtern. Das Gasbloat-Syndrom ist eine mögliche Komplikation, die nach der Operation auftreten kann. Dieses Syndrom führt dazu, dass die Person nicht mehr aufstossen kann. Das Auftreten und die Prägnanz dieser sogenannten postgastrektomischen Symptome ist stark abhängig von der Art der durchgeführten Operation. Das beste therapeutische Mittel, um diese Symptome nach der Operation zu mindern, ist die Einhaltung spezieller diätetischer Massnahmen, weshalb die betroffenen Patienten häufig eine Ernährungsberatung brauchen. Im Langzeitverlauf berichten viele Patienten von einer Besserung und im Allgemeinen von einer Lebensqualitätssteigerung nach der Operation.

Quellen

Franzke, T., Jähne, J. (2012). Postoperative Syndrome und Lebensqualität nach Eingriffen am Magen. Allgemein- und Viszeralchirurgie up2date, 6(3), 179–190. https://doi.org/10.1055/s-0031-1298551

Lynch, K. L. (2022). Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD). MSD Manualhttps://www.msdmanuals.com/de/heim/verdauungsstörungen/speiseröhrenerkrankungen-und-schluckstörungen/gastroösophageale-refluxkrankheit-gerd

Pohl, D., Gutschow, C. & Rogler G. (2019). Refluxkrankheit. Universitätsspital Zürich. https://www.usz.ch/krankheit/refluxkrankheit/

Thieme via medici (2022, 30. Dezember). Operationsverfahren am Ösophagus und ösophagogastralen Übergang. https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8721500/4958194/operationsverfahren+am+ösophagus+und+ösophagogastralen+übergang#_92B8FF82_5926_443B_A57B_FA8D6FE08667

Nadja Widmer

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Der Mythos der 10000 Schritten wird wohl den meisten Leserinnen und Lesern ein Begriff sein. Dabei handelt es sich um die Aussage, dass für ein gesundes Leben mindestens 10000 Schritte pro Tag notwendig sein sollen. Entstanden ist diese Zahl, als die japanische Firma Yamasa im Jahre 1964 während der Olympischen Spiele einen Schrittzähler namens „Manpo-kei“ auf den Markt brachte, was übersetzt „der 10000-Schritt-Zähler“ bedeutet. Obwohl eine wissenschaftliche Begründung fehlte, setzte sich diese Zahl durch. Sogar die Weltgesundheitsorganisation übernahm die 10000 Schritte als Empfehlung für ein gesundes Leben. Bis heute konnte die Zahl wissenschaftlich nicht vollständig belegt werden. Wichtig ist aber, dass es bereits vor vielen Jahren in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Bewegung schuf. Insgesamt bewegen wir uns in unserem Alltag nämlich zu wenig, im Durchschnitt gehen wir weniger als 5000 Schritte pro Tag.

Der Grund für den Bewegungsmangel ist, dass die meisten Personen in unserem Breitengrad sitzend arbeiten, die Arbeitswege im Zug oder Auto ebenfalls sitzend zurücklegen, sowie die Mahlzeiten sitzend einnehmen und häufig auch die Freizeit sitzend verbringen, zum Beispiel während der Konsumation von Unterhaltungselektronik. Wenn der Alltag grösstenteils sitzend bestritten wird, ist es schwerer, diese 10000 Schritte pro Tag zu erreichen. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation weisen weltweit 60-85% der Menschen einen sitzenden Lebensstil auf. In einer EU-weiten Umfrage konnte gezeigt werden, dass der sitzende Lebensstil in den letzten zwei Jahrzenten weiter zugenommen hat.

Personen, welche weniger als 5000 Schritte pro Tag gehen, verbringen ihren Alltag grösstenteils sitzend. Personen, welche 5000 bis 7499 Schritte pro Tag gehen (ohne sonstige sportliche Betätigung), wird ein niedrig-aktiver Lebesstil nachgesagt, ein sogenannter ‚low active lifestyle‘. Bei 7500 bis 9999 Schritten spricht man von einem einigermassen aktiven Lifestyle. Sobald man über 10000 Schritte pro Tag geht, spricht man von einem aktiven Lebensstil und bei über 12500 Schritten handelt es sich um einen hoch-aktiven Lebensstil.

Aber wie viele Kilometer legt man zurück, wenn man diese 10000 Schritte geht? Die Strecke ist bei jeder Person unterschiedlich. Sie ist abhängig von der Grösse der Person und ihrer Schrittlänge. Grob geschätzt beträgt die Strecke zwischen sechs bis 8.5 Kilometer.  Im Durchschnitt braucht man 1250 bis 1500 Schritte für einen Kilometer. Die Zeitdauer für die 10000 Schritte ist abhängig von der Gehgeschwindigkeit, wie auch der körperlichen Voraussetzung. Bei einer schnellen Gehgeschwindigkeit können 10000 Schritte in 80 bis 100 Minuten erreicht werden. Bei einem normalen Schritttempo dauert es circa 120 bis 150 Minuten. Häufig werden diese Schritte aber eher über den Tag verteilt als an einem Stück bewältigt. Wie viele Kalorien man mit 10000 Schritten verbrennt, hängt vom Gewicht, dem Geschlecht und der Intensität der Schritte ab. Deshalb gibt es keinen Einheitswert, sondern ein Spektrum von 300 bis 700 Kalorien pro 10’000 Schritten.

Eine weitere Variante zur Einteilung des Aktivitätsgrades ist das metabolische Äquivalent, welches abgekürzt auch MET genannt wird. Das metabolische Äquivalent kann in MET-Stunden angegeben werden. Von der Weltgesundheitsorganisation werden pro Woche mindestens zehn MET-Stunden Bewegung empfohlen. Ein langsamer Spaziergang hat zum Beispiel 2,5 MET. Spaziert man also eine Stunde in gemütlichem Tempo, hat man 2,5 MET-Stunden erreicht. Um die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen zehn MET-Stunden zu erreichen, müsste man also vier Stunden pro Woche spazieren.

Allerdings spielt es keine Rolle, ob man die Bewegung in Schritten, in MET-Stunden oder anders zählt. Wichtig ist am Ende, wie viel man sich tatsächlich bewegt. Auch wenn es weniger als 10000 Schritte pro Tag sind, kann die Gesundheit damit bereits verbessert werden. Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 weisen ältere Frauen, die täglich 4400 Schritte gehen, eine niedrigere Mortalitätsrate aufweisen als Frauen, die 2700 Schritte pro Tag gehen (Lee et al., 2019). In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Mortalitätsrate progressiv sinkt bei einer höheren Anzahl Schritte pro Tag (ibid). Allerdings konnte bei über 7500 Schritten kein weiteres Absinken der Mortalitätsrate mehr nachgewiesen werden (ibid). 

Die Quintessenz ist also, dass es keine 10000 Schritte pro Tag braucht. Es reichen auch 7500 Schritte. Aber auch diese Zahl ist nicht absolut. Wer die 7500 oder die 10000 Schritte nicht erreicht, sollte sich von der Zahl nicht einschüchtern oder entmutigen lassen. Gehen Sie stattdessen einfach so viele Schritte, wie es Ihnen möglich ist. Die Hauptsache ist, dass man sich überhaupt bewegt. Jeder Schritt zählt.

Quellen

Buhl, G. (2022). Warum Sie die 10’000-Schritte-Regel (fast) vergessen können. SRF (19. April). https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/positives-aus-der-wissenschaft-warum-sie-die-10-000-schritte-regel-fast-vergessen-koennen 

Lee, I., Shiroma, E. J., Kamada, M., Bassett, D. R., Matthews, C. E. & Buring, J. E. (2019). Association of Step Volume and Intensity With All-Cause Mortality in Older Women. JAMA Internal Medicine, 179(8), 1105–1112. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2019.0899

Nitz, P., Mibs, M. & Hoffmann, V. (2022). Gesünder leben mit Bewegung. Wie viel Bewegung brauche ich? Stiftung Gesundheitswissen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/gesuender-leben-mit-bewegung/wie-viel-bewegung-brauche-ich#:~:text=Wie%20viel%20Bewegung%20wird%20empfohlen,leicht%20aus%20der%20Puste%20kommt.

Nordic Walking (2020). Wie du 10.000 Schritte am Tag meisterst: 7-Schritte-Strategie. Nordic-Walking.de. https://nordic-walking.de/10000-schritte-am-tag.html

Tudor-Locke, C. & Bassett, D. R. Jr. (2004). How many steps/day are enough? Preliminary pedometer indices for public health. Sports Medicine, 34(1), 1–8. https://doi.org/10.2165/00007256-200434010-00001

Nadja Widmer

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Als Schluckauf bezeichnet man das wiederholte und unbeabsichtigte Zusammenziehen des Zwerchfells. Dieses unwillkürliche Zusammenziehen des Zwerchfells wird auch Spasmus genannt. Auf den Spasmus des Zwerchfells folgt eine schnelle, hörbare Schliessung der Stimmritze. Das Zwerchfell ist ein Muskel im Bauchraum, der unter der Lunge liegt und somit die Lunge von den restlichen Bauchorganen, wie Darm, Magen oder Leber, trennt. Das Zwerchfell hat als Muskel eine wichtige Funktion, nämlich unterstützt es die Atmung. Die Stimmritze ist die Öffnung zwischen den Stimmbändern im Kehlkopf, auch Larynx genannt. Die Stimmritze kann durch die Stimmbänder verschlossen werden und so den Luftstrom in die Lunge verhindern.

Schluckauf kann unterschiedlich lange anhalten. Es gibt kürzere und längere Episoden, wobei die kurzen sehr häufig auftreten und jeweils einige Minuten andauern. Bei längeren Episoden kann der Schluckauf länger als zwei Tage anhalten, oder sogar länger als einen Monat. Bei solch langen Episoden spricht man von einem persistierenden, also anhaltenden Schluckauf. Die genaue Ursache des Schluckaufs ist nicht bekannt. Vermutet wird eine Reizung der Nerven oder Hirnteile welche an der Kontrolle der Atemmuskulatur, also auch dem Zwerchfell, beteiligt sind.

Obwohl die genaue Ursache des Schluckaufs nicht bekannt ist, gibt es einige auslösende Faktoren, wie ein geblähter Magen, Alkoholkonsum oder das Schlucken von heissem oder reizendem Material. Es kann auch durch eine Kombination von Reden, Essen, Trinken und Lachen ausgelöst werden. Medizinisch nachweisbar tritt Schluckauf vermehrt dann auf, wenn die Kohlendioxidkonzentration im Blut sinkt, was zum Beispiel durch eine Hyperventilation geschehen kann.

Langanhaltende Episoden von Schluckauf können eventuell eine ernste Ursache haben. Ein Beispiel dafür ist eine Reizung des Zwerchfells durch eine Lungenentzündung oder eine Operation im Brust- oder Magenbereich. Dass ein Hirntumor oder ein Schlaganfall auf das Atemzentrum im Hirn wirkt und so zu einem Schluckauf führt, ist allerdings sehr selten. Bei einer ernsten Ursache bleibt der Schluckauf so lange bestehen, bis diese behoben wird.

Normalerweise braucht ein Schluckauf keine ärztliche Konsultation. Sollte der Schluckauf aber in Kombination mit neurologischen Symptomen, wie Kopfschmerzen, Schwäche, Taubheitsgefühl oder einem Gleichgewichtsverlust einhergehen, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt zuziehen. Auch ohne solche neurologischen Symptome sollte man bei einem zwei oder drei Tagen anhaltenden Schluckauf ärztliche Hilfe aufsuchen.

Bei der ärztlichen Untersuchung wird der Patient zu seinen Symptomen und der Krankheitsgeschichte gefragt. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Bei der Untersuchung liegt zudem das Augenmerk auf Symptomen eines gastroösophagealen Refluxes (vereinfacht Sodbrennen) und auf Schwierigkeiten beim Schlucken. Weiter wird ermittelt, ob die Patientin bzw. der Patient Fieber, Husten oder Brustschmerzen aufweist, oder ob neurologische Symptome vorhanden sind. Auch Alkoholkonsum und kürzlich erfolgte Operationen sind von Interesse. Bei der körperlichen Untersuchung wird meist eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Je nach Art und Ort der zusätzlichen Symptome können gewisse Tests durchgeführt werden, wie die Blutuntersuchung, der Ultraschall, das CT oder das MRI.

Beim kurzen Schluckauf werden häufig Hausmittel wie Luft anhalten oder tief in eine Papiertüre atmen angewendet. Bei diesen beiden Methoden wird versucht, durch die Atmung den Kohlendioxidspiegel im Blut anzuheben. Bei anderen Hausmitteln wie schnelles Trinken von Wasser, Ziehen an der Zunge, stimuliertes Würgen oder Schlucken von trockenem Brot, Kristallzucker oder zerstossenem Eis wird versucht, den Nervus vagus zu stimulieren. Der Nervus vagus ist der 10. Hirnnerv und reguliert die Tätigkeit der meisten inneren Organe. Seine motorischen Fasern versorgen auch die Muskulatur des Kehlkopfes. Es gibt viele Hausmittel, davon ist medizinisch aber keines überlegener oder wirksamer als andere. Von ärztlicher Seite wird davon nicht abgeraten, aber ihre Wirkung ist auch nicht klar belegt.

Beim anhaltenden Schluckauf ist eine Behandlung notwendig, besonders dann, wenn sich die Ursache des Schluckaufs nicht leicht beseitigen lässt. Es werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt mit verschiedenem Wirkungserfolg. Sollten alle Medikamente nicht funktionieren, gibt es noch die Option die Nervi phrenici durch eine lokale Betäubung zu blockieren. Die Nervi phrenici kontrollieren die Kontraktion des Zwerchfells. Sollte dies auch keine Besserung bringen, kann man als letzte Option die Nervi phrenici in einer Operation durchtrennen, was aber auch nicht in allen Fällen eine Heilung erbringt.

Nadja Widmer

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Eine Allergie entsteht aus einer überschiessenden Reaktion des Immunsystems gegen Stoffe, die für den Körper normalerweise ungefährliche sind. Der Körper sollte das sogenannte Allergen unter normalen Umständen ignorieren. Nach einem ersten Kontakt mit dem Allergen kann der Körper eine Sensibilisierung dafür entwickeln. Aufgrund dieser Sensibilisierung gegenüber dem Allergen wird dieses dann beim Zweitkontakt erkannt und löst eine Entzündungsreaktion aus. Um eine allergische Reaktion auslösen zu können, muss also der Körper zuvor bereits einmal mit dem Allergen in Kontakt getreten sein. Die sogenannte Sensibilisierung ist also die Vorstufe und Voraussetzung einer Allergie. Der Körper wird sozusagen hypersensibel für ein bestimmtes Allergen. Ab dem zweiten Kontakt (und bei allen folgenden Kontakten) reagiert das Immunsystem und bekämpft das Allergen. Häufig treten aber nur lokale Reaktionen auf wie beispielsweise eine Rötung an der Einstichstelle oder eine leichte Schwellung. In selteneren Fällen wird eine systemische Reaktion ausgelöst, die den gesamten Organismus betrifft.

Es werden vier verschiedene Allergiereaktions-Typen unterschieden. Typ I ist eine IgE-vermittelte Reaktion, Typ II ist eine zytotoxische Reaktion, Typ III ist eine Immunkomplex-Reaktion und Typ IV ist eine zelluläre T-Zell-vermittelte Reaktion. Die Insektengiftallergie gehört zum Typ I der allergischen Reaktionstypen. Dieser Typ I wird auch als Soforttyp, Frühtyp oder anaphylaktischer Typ bezeichnet, da die Dauer vom Kontakt des Allergens bis zum Auftreten der Symptome wenige Sekunden bis einige Minuten dauert. Wie der Name der Typ I Reaktion bereits beschreibt, bilden sich bei dieser Reaktion bei Erstkontakt allergenspezifische IgE-Antikörper. Diese IgE-Antikörper binden an die Oberfläche von sogenannten Mastzellen, welche viel Histamin enthalten. Mastzellen sind körpereigene Zellen, die der Krankheits-Abwehr dienen. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, sorgen diese IgE-Antikörper auf den Mastzellen dafür, dass die Histamine aus den Mastzellen freigesetzt werden. Die freigesetzten Histamine verteilen sich via Blut im ganzen Körper und verursachen die typischen allergischen Symptome. Zusammenfassend kann man sagen, dass die IgE-Antikörper beim ersten Kontakt mit dem Allergen gebildet werden und das Allergen dann beim zweiten Kontakt erkennen. Da der Körper bereits auf dieses Allergen vorbereitet (also sensibilisiert) ist, kann das Immunsystem direkt dagegen reagieren.

Eine Insektengiftallergie ist auf Bienen-, Wespen-, Hornissen- oder Hummel-Gift möglich. Das Gift von Wespen ist in der Zusammensetzung ähnlich wie das Gift von Hornissen. Das Gift von Bienen ist in der Zusammensetzung wiederum ähnlich wie das Gift der Hummeln. Zwischen Bienen- und Wespengift besteht auch eine geringe Kreuzreaktivität. Dies bedeutet, dass es Betroffene gibt, die nur auf das eine oder das andere Gift allergisch reagieren, bei anderen Personen können aber auch beide Gifte eine allergische Reaktion auslösen. 

Die Symptome einer Insektengiftallergie können in unterschiedliche Schweregrade aufgeteilt werden. Der niederste Grad ist die örtliche Reaktion. Hierbei ruft das Insektengift eine starke Rötung oder Schwellung im Bereich der Einstichstelle hervor. Zudem treten häufig auch langanhaltender Juckreiz und Brennen auf. Handelt es sich um eine rein lokale Reaktion, ist der Durchmesser der Schwellung weniger als ein Centimeter und klingt nach spätestens 24 Stunden wieder ab. Zudem können diese Stiche von unangenehmen Empfindungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein begleitet sein. Dadurch unterscheiden sich die Stiche von der normalen Reaktion auf einen Insektenstich. Handelt es sich um eine schwere örtliche Reaktion ist der Durchmesser der Schwellung meist grösser als Zehn Centimeter und dauert länger als 24 Stunden. Bei einer systemischen Reaktion treten zu den bereits beschriebenen Symptomen zusätzlich noch tränende Augen und eine geschwollene Nasenschleimhaut auf. Auch schwerere Symptome wie Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Durchfall und Herz-Kreislauf-Probleme sind möglich. Die schwerstmögliche Reaktion bei einer Insektengiftallergie ist der allergische Schock, welcher tödlich enden kann. Erste Anzeichen eines allergischen Schocks können ein Brennen auf der Zunge oder im Rachen sein. Wird der allergische Schock nicht sofort behandelt, kann dies zu Herzrasen, Erbrechen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit führen.

Wenn man mit allergischen Symptomen auf einen Insektenstich reagiert, sollte man ein Notfallset mit sich führen. Ein Notfallset enthält ein Antihistaminikum, Kortison und Adrenalin. Aber der beste Schutz vor einer Insektengiftallergie ist die Vorbeugung eines Stiches. Zu den Massnahmen der Prävention gehören gewisse Verhaltensregeln: nicht barfuss im Freien laufen, lange und nicht-bunte Kleidung tragen und beachten, dass gewisse Gerüche (wie Duftstoffe, Essen, Süssgetränke) auf Insekten anziehend wirken.

Eine weitere Methode der Vorbeugung der Insektengiftallergie ist die Hyposensibilisierung. Um das Immunsystem gegenüber dem Allergen zu desensibilisieren, werden dem Körper kleine, langsam ansteigende Mengen von stark verdünntem Insektengift verabreicht. Dadurch soll sich der Organismus an das Gift gewöhnen und bei einem Kontakt nicht weniger heftig reagieren. Allerdings dauert diese Methode drei bis fünf Jahre und ist sehr aufwendig.

Quellen

Allergieinformationsdienst (2018, 15. November). Wie entsteht eine Allergie? https://www.allergieinformationsdienst.de/immunsystem-allergie/entstehung-von-allergien.html

Amboss (2022, 19. Juli). Allergische Erkrankungen. https://www.amboss.com/de/wissen/Allergische_Erkrankungen/

Universitätsspital Zürich (o.D.). Insektengiftallergie, Hymenopterengiftallergie. https://www.usz.ch/krankheit/insektengiftallergie/

Nadja Widmer

Studentin Humanmedizin
Medizinische Content-Providerin (MED4LIFE)

Kommt es durch Hitze zu einer Hautverletzung, spricht man von einer Verbrennung. Woher die Hitze kommt, spielt für das Verletzungsmuster «Verbrennung» keine Rolle, sondern ändert nur den in der Umgangssprache verwendeten Wortlaut. Ob durch heisses Wasser oder Dampf, ein heisses Bügeleisen, eine Herdplatte oder Feuer, ja selbst intensive Reibung oder elektrischen Strom, Verbrennung ist Verbrennung. Sonderfälle bilden Verätzungen mit Säuren oder Laugen, die in diesem Artikel jedoch nicht behandelt werden.

Verbrennungsgrade

Um die Schweregrade der Verbrennung besser nachvollziehen zu können, sehen Sie nachfolgend ein Übersichtsbild der Haut. Je nach Schweregrad ist eine andere Hautschicht betroffen. Damit gestaltet sich auch die Symptomatik, die Heilung und die Wundversorgung anders. Genauere Information zum Aufbau der Haut finden Sie im Artikel «Die menschliche Haut».

Hautaufbau

Grad 1: Von einer Verbrennung ersten Grades spricht man, wenn nur die oberste Schicht, die Hornschicht, der Epidermis betroffen ist. Hauptsymptome sind Schmerzen, Rötungen und Schwellungen und das typische Beispiel ist der Sonnenbrand. Mehr zum Thema Sonnenbrand und wie Sie sich davor schützen lesen Sie in den Artikeln «Sonnencreme und Schutz der Haut» und «Optimaler Sonnenschutz».

Grad 2a: Beim Grad 2a sind die Epidermis sowie bereits die oberen Anteile der Dermis mitbetroffen. Hautanhangsgebilde wie Haarwurzeln, Schweiss und Talgdrüsen sind aber noch intakt. Hauptsymptome dieses Schweregrades sind Schmerzen, Rötungen und Blasenbildung.

Grad 2b: Die betroffenen Hautschichten sind die gleichen wie beim Grad 2a, also Epidermis und Dermis, jedoch sind nun die tiefen Anteile der Dermis mitbetroffen. Somit sind die Hautanhangsgebilde weitestgehend geschädigt, ebenso Nervenfaserenden und Blutkapillaren (kleinste Blutgefässe). Dadurch ist der Schmerz deutlich geringer als bei 2a. Blasen können, müssen aber nicht vorhanden sein, da sie bereits geplatzt sein könnten. Rötungen sind vorhanden, sind aber weniger ausgeprägt. Wenn man auf diese Rötungen drückt, verschwinden sie und erscheinen, anders als bei 2a Verbrennungen, nicht wieder (ähnlich wie ein Rekapillarisierungs-Test: Zeit, die es braucht, um das «blutleere» Gewebe wieder zu durchbluten, nachdem man Druck darauf ausgeübt hat, also wie schnell die Farbe von weiss wieder zu rosa wird; normalerweise an der Fingerkuppe getestet).

Grad 3: Erreicht eine Verbrennung die Tiefe der Subcutis (Unterhaut) und damit das Unterhautfettgewebe, spricht man von einer Verbrennung dritten Grades. Die Nervenenden sind komplett zerstört. Die Sensibilität und damit das Schmerzempfinden geht verloren. In diesem Schweregrad verspürt man keinerlei Schmerzen mehr und die Haut ist lederartig in einem schwarzen, weissen oder grauen Farbton.

Grad 4: Geht die Verbrennung noch tiefer als das subkutane Fettgewebe spricht man von einer Verkohlung. Es können Muskeln, tiefer gelegenes Fettgewebe, Faszien oder sogar Knochen mitbetroffen sein.

Neben dem Schweregrad wird das Ausmass einer Verbrennung zusätzlich mit der Körperoberflächen-Berechnung bestimmt. Diese dient vor allem der Beurteilung, ob die Patientin oder der Patient in einem Verbrennungszentrum oder in einem normalen Spital versorgt werden soll. Je grösser die Verbrennungsfläche, desto eher sollte ein Verbrennungszentrum aufgesucht werden. Dafür gibt es zwei Annäherungen. Zum einen gibt es die Neuner-Regel: Körpersegmente wie die einzelnen Arme, Oberschenkel, Unterschenkel, sowie Kopf, Brustkorb, Bauch, oberer und unterer Rücken tragen jeweils 9% zur Körperoberfläche bei. Dazu ein Beispiel: Hat jemand das gesamte rechte Bein, den unteren Bauch und den Intimbereich verbrannt, wären das insgesamt nach dieser Regel 28%. 9% für den Oberschenkel, 9% für den Unterschenkel, 9% für den unteren Bauch und 1% für den Intimbereich. Genauer als die 9% Regel ist die Handflächenregel. Sie besagt, dass die Handfläche des Patienten ungefähr 1% seiner Körperoberfläche entspricht. In der Praxis angewandt wird also die Grösse der Hand des Patienten betrachtet und geschaut, wie gross die Verbrennungsfläche im Vergleich zur Hand ist. Die Handflächenregel wird vor allem bei Kindern angewandt, da sich beim Kind die Körperproportionen anders als bei Erwachsenen gestalten.

Behandlung von Verbrennungen

Je nach Verbrennungsgrad und Ausmass der Schädigung ist eine andere Behandlung notwendig.

Grundsätzlich gelten zwei Richtlinien:

  1. Bei kleinen, auf kleine Areale begrenzten Verbrennungen (Verbrennung am Bügeleisen, Herdplatte, heissem Wasser, etc.) ist die Kühlung mit Wasser für 10 Minuten sinnvoll. Dabei genügt jedoch Zimmertemperatur. Das Wasser sollte nicht zu kalt sein! Bei grossflächigen Verbrennungen ist aufgrund des Unterkühlungsrisikos von kühlenden Massnahmen abzusehen.
  2. Sind tiefe Verbrennungen zweiten Grades (2b) von Händen, Füssen, Gesicht oder Genital, Verbrennungen zweiten Grades (2a/b) von mehr als 10% Körperoberfläche oder Verbrennungen dritten Grades vorhanden, sollte sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht und ein Transport in ein Verbrennungszentrum in Erwägung gezogen werden. Dies gilt auch bei Verbrennungen, die durch Elektrizität oder Blitzschlag verursacht wurden.

Verbrennungen der Grade 1 und 2a können in den meisten Fällen im selbst therapiert und versorgt werden, wenn die nötigen Materialien vorhanden sind. (Ausnahmen sind die oben erwähnten.)

Grad 1:

  • Verbrannte Areale nur mit pflegenden Salben oder Feuchtigkeitscrème behandeln. Die Abheilung erfolgt im Normalfall ohne Narben oder Pigmentveränderungen.

Grad 2a:

  • Wundreinigung mit einem aseptischen Mittel (Desinfektionsspray, Wundalkohol).
  • Eröffnung und Entfernung der Brandblasen und Reinigung von Fremdkörpern oder Verunreinigungen.
  • Auftragen einer aseptischen und wundheilungsfördernden, fetthaltigen Salbe oder einem Gel auf die Wunde, danach verbinden mit einem Verband. Die Abheilung erfolgt meist ohne Narben, jedoch sind Pigmentveränderungen möglich.

Tiefere Verbrennungen sind immer einer Ärztin oder einem Arzt vorzuzeigen. Je nach Verbrennungsausmass kann es notwendig sein, das abgestorbene Gewebe chirurgisch abzutragen. Je tiefer und grossflächiger die Verbrennung ist, desto komplexer sind die Wundversorgungen. Hauttransplantationen, Transplantationen von gesamten Muskel-, Fett-, Hautlappen (Muskulokutane Lappenplastik) oder sogar Amputation(en) können notwendig sein. Eine narbenfreie Heilung ist unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Ebenfalls erfordern diese Verbrennungen zahlreiche systemische Therapien wie Flüssigkeitszufuhr, Antibiotikaprophylaxe und ausreichende Schmerzmedikation, wodurch ein Spitalaufenthalt unausweichlich ist.

Robin van den Wildenberg

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Die Seekrankheit ist ein lästiges Phänomen, das vor allem bei längeren Seefahrten auftritt. Sie äussert sich durch Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Dieser Artikel liefert die wichtigsten Informationen zur Entstehung dieser Krankheit und erklärt auch, weshalb klassische Medikamente gegen Kopfschmerzen nichts nützen. Des Weiteren werden mögliche Massnahmen aufgezeigt.

Die Seekrankheit kommt durch einen Mismatch im Gleichgewichtssinn zustande. Der Gleichgewichtssinn besteht aus drei Komponenten – dem Gleichgewichtsorgan, den Augen und der Propriozeption (siehe Artikel „Das Gleichgewichtsorgan und seine Funktionsweise“). Ein Mismatch beschreibt das inkorrekte Verhältnis der drei Komponenten zueinander. Einfach formuliert gibt also das Gleichgewichtsorgan dem Gehirn eine andere Information als die Augen und die Propriozeption.  Das liegt daran, dass das Gleichgewichtsorgan permanent den Wellengang und die Schaukelbewegungen des Bootes wahrnimmt. Der Input vom Gleichgewichtsorgan an das Gehirn ist folgender: „Es liegt eine dauerhafte Beschleunigung vor und es gibt ein regelmässiges Auf und Ab durch die Wellen.“ Der Input der Augen ist jedoch ein anderer und das ist der springende Punkt: Die Augen nehmen beispielsweise im Inneren eines Schiffes die Wände wahr, welche gerade erscheinen und nicht ”mitschaukeln“. Daher ist die Seekrankheit in aller Regel auch schlimmer, wenn man keinen visuellen Bezugspunkt am Land hat. Das Gehirn erhält also widersprüchliche Informationen – vonseiten des Gleichgewichtorgans wird eine Beschleunigung vermittelt, die Augen jedoch vermitteln eine Konstante und nehmen diese Beschleunigung (damit ist das Auf und Ab durch die Wellen gemeint) nicht wahr. Dieser Mismatch ruft die Symptome hervor.

Die Seekrankheit betrifft aus ungeklärten Gründen Frauen deutlich häufiger als Männer und Migränepatientinnen und Migränepatienten gehören ebenso zur Risikogruppe. Doch was kann man gegen die Seekrankheit vorbeugend tun? Es ist wichtig, dass man früh reagiert – das heisst beim ersten Anzeichen (in der Regel ein leichtes Schwindelgefühl) – und zwar damit, dass man sich aktiv visuelle Eindrücke vom Wellengang einholt. Dabei sollte man jedoch eher in die Ferne schauen, als sich direkt über die Reling zu beugen. Das reduziert kurzfristig den Mismatch, da die Augen dann dasselbe sehen, was das Gleichgewichtsorgan vermittelt. Falls dies möglich ist, kann es zudem hilfreich sein, das Steuer des Boots selbst zu führen. Einige Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es für die Verarbeitung auch helfen kann, sich unter Deck die Beschleunigungsbewegung durch den Wellengang einzureden (Beispielsweise: „Ich sehe die Wellen gerade nicht, aber ich befinde mich auf dem offenen Meer und weiss, dass ich mich dauerhaft auf und ab bewege“). Eine zweite Möglichkeit besteht darin, sich flach hinzulegen und die Augen komplett zu schliessen. Das kommt einer allgemeinen Reduktion von Sinneseindrücken gleich, was folglich auch den Mismatch verringert, da die visuellen Stimuli bei geschlossenen Augen fehlen. Wenn die Seekrankheit noch nicht sehr schlimm ist, hilft es auch, zu schlafen, denn während des Schlafs wird das Gleichgewichtsorgan heruntergefahren.

Achten Sie darauf, dass Ihr Magen weder leer noch überfüllt noch mit fettlastigen Lebensmitteln gefüllt ist. Alkohol gilt es ebenfalls zu vermeiden. Dies hat damit zu tun, dass alle vier Zustände Übelkeit fördern, daher gilt es sie auf hoher See zu vermeiden. Bei der Ernährung auf See empfiehlt sich Folgendes: häufig essen, kleine Mengen essen, kohlenhydratlastig essen (z.B. Reiswaffeln oder Ähnliches). Es gibt auch medikamentöse Ansätze; hier ist jedoch Vorsicht geboten. Lange wurde geglaubt, dass herkömmliche Mittel gegen Kopfschmerzen helfen können. Diese wirken in der Regel entzündungshemmend, doch bei der Seekrankheit finden keine entzündlichen Prozesse statt. Der Grund für das Symptom Kopfschmerzen ist im Falle der Seekrankheit ausschliesslich der Mismatch im Gleichgewichtssinn. Medikamente gegen Seekrankheit haben oft eine Anti-Histamin-Wirkung. Die Mechanismen sind nicht final geklärt, doch es wird angenommen, dass Histamin auf das Brechzentrum wirkt. Ein zweiter Wirkstoff, Dimenhydrinat, wirkt im Hirnstamm auch hemmend auf das Brechzentrum. Er wird in Form von Tabletten, Zäpfchen oder Kaugummi verabreicht. Doch auch dieser Wirkstoff dient lediglich der Symptombekämpfung, denn der Mismatch lässt sich medikamentös nicht abschalten.

Die nachhaltigste Besserung der Seekrankheit gelingt jedoch durch Gewöhnung. Das mag zermürbend und auch kontraintuitiv sein, doch je gewöhnter das Gehirn an den Mismatch ist, desto besser kann es ihn ausblenden. Erfahrungsgemäss dauert Seekrankheit nicht länger als drei Tage an. Es hilft zudem auch, wenig Zeit unter Deck zu verbringen (bzw. unter Deck sofort die eigene Kajüte aufzusuchen und sich mit geschlossenen Augen hinzulegen), da dort die visuellen Bezugspunkte (Land, Wellen) fehlen.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Die warmen Herbsttage gehen langsam zu Ende und der Winter steht vor der Tür. Während wir uns auf die vorweihnachtliche Stimmung freuen, uns den Winter in den Bergen vorstellen und die Skier für die kommende Saison vorbereiten, gibt es jemanden, dem der Umschwung nicht ganz so einfach fällt: unser Körper. Die Umstellung vom warmen, eher feuchten Sommer und Herbst zum kalten, trockenen Winter hat einen Einfluss auf unsere Haut, unser Immunsystem und unsere Atmung.

Der Grund für die trockene Luft im Winter liegt in der physikalischen Eigenschaft des in der Luft vorkommenden Wasserdampfes. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist der wirkliche Wasserdampfgehalt, der sich in der Luft befindet. Die relative Luftfeuchtigkeit ist der prozentuale Anteil des möglichen, maximalen Wasserdampfgehaltes in der Luft. Wie viel Wasserdampf die Luft aufnehmen kann, ist Temperatur abhängig. Je wärmer die Luft, desto höher ist die mögliche absolute, maximale Luftfeuchtigkeit. Je kälter die Luft, desto geringer ist deren Kapazität, Wasserdampf zu speichern.

Für den Körper, die Haut, Schleimhäute und Atemwege ist die relative Luftfeuchtigkeit entscheidend. Auch wenn die vorherrschende relative Luftfeuchtigkeit draussen im Winter ähnlich ist wie im Sommer, unterscheidet sie sich in Innenräumen stark. Befinden wir uns nämlich in einem geschlossenen, kühlen Raum und heizen diesen auf, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit schnell ab.

Die Hautfeuchtigkeit ist eng an die Luftfeuchtigkeit gekoppelt. Eine trockene Haut führt dazu, dass die Haut ihre Elastizität verliert, spröder und rissiger wird. Dadurch verliert sie ihren natürlichen Schutzmechanismus. Wie Sie dem Artikel «Die menschliche Haut» entnehmen können, hat die Haut neben der Flüssigkeitsregulation auch die Aufgabe der Temperaturregulation und – für den vorliegenden Artikel entscheidend – eine Schutzfunktion. Durch die spröde, rissige Haut entstehen kleine Mikroläsionen, durch welche Bakterien, Viren und Pilze einfacher durch die Haut eindringen können. Die Infektionsgefahr ist dadurch generell erhöht. Nebenbei können diese Mikroläsionen auch schmerzhaft sein. Vor allem an Orten, wo die Haut sehr dünn ist, kann die Epithelschicht komplett einreissen. Mundwinkel und die Haut am Fingernagel-Haut-Übergang sind dafür besonders anfällig.

Die Schleimhäute sind von trockener Luft noch stärker bedroht, da sie nicht über die hornige Schutzschicht der restlichen Haut verfügen. Die Schleimhäute dünnen sich aufgrund des Flüssigkeitsverlustes aus und werden dadurch, wie auch durch Mikroläsionen, infektionsanfälliger. Zudem fällt es Viren leichter, in trockener Luft zu überleben, und werden in ihr leichter übertragen. Grund dafür sind die fehlenden Wasserdampfpartikel in der Luft. Diese lagern sich nämlich an die Virenpartikel an und führen dazu, dass sie schwerer werden, schneller zu Boden fallen, und somit aus der Luft entfernt werden. Ein weiterer unangenehmer Effekt der zu dünnen, trockenen Schleimhäute ist erhöhtes Nasenbluten im Winter. Die Gefässe der Nasenscheidewand liegen sehr oberflächlich und sind nur von Schleimhaut bedeckt. Bei einer durch Trockenheit ausgedünnten Schleimhaut, sind die Gefässe nun weniger gepolstert. Dadurch laufen sie Gefahr, durch kleine mechanische Reize zu platzen oder aufzureissen. Vor allem ältere Personen, bei welchen die Hautfeuchtigkeit physiologisch bereits verringert ist, sind davon betroffen.

Nicht nur die Hautfeuchtigkeit, sondern der ganze Feuchtigkeitshaushalt ist von zu geringer Luftfeuchtigkeit und der Kälte betroffen. Um einen optimalen Sauerstoffaustausch zu ermöglichen, braucht die Einatemluft eine gewisse Wärme und Luftfeuchtigkeit. Atmen wir kalte Luft ein, wird diese über unsere Atemwege erwärmt. Damit sinkt, wie oben bereits erklärt, die relative Luftfeuchtigkeit. Trockene Luft verfügt aber nicht über die gleiche Sauerstoffaustauschkapazität wie warme Luft, und muss daher ebenfalls vom Körper in den Atemwegen angefeuchtet werden. Dieser Vorgang entzieht dem Körper zusätzliche Flüssigkeit, oft mehr sogar, als wenn man im Sommer bei heissen Temperaturen viel schwitz.

Um dem ganzen Flüssigkeitsverlust und dem Austrocknen der Haut entgegenzuwirken gibt es mehrere Massnahmen. Verwenden Sie im Winter häufiger Feuchtigkeitscrème, vor allem für stark exponierte Stellen wie Hände und Gesicht. Schauen Sie auf eine ausgewogene Trinkmenge und verzichten Sie wenn möglich auf exzessives Heizen. Ebenfalls können Sie zu Hause mit einem Luftbefeuchter für eine optimale Luftfeuchtigkeit sorgen. Diese sollte zwischen 40 – 60% liegen. Stärken Sie Ihr Immunsystem zusätzlich mit genügend Vitaminen, Bewegung und ausreichend Schlaf. Mehr dazu im Artikel «Gesund in den Herbst».

Quellen

Paschotta, R. (2021). Luftfeuchtigkeit: Energie-Lexikon. Abgerufen von: https://www.energie-lexikon.info/luftfeuchtigkeit.html (zuletzt am 10.11.2022).

Eccles, R., & Wilkinson, J. E. (2015). Exposure to cold and acute upper respiratory tract infection. Rhinology53(2), 99–106. https://doi.org/10.4193/Rhino14.239

Robin van den Wildenberg

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Im ersten Artikel zu den Hausmitteln wurde das allgemeine Potential der Hausmittel sowie die Hausmittel gegen Erkältungen und Grippen behandelt. Dieser Artikel fokussiert sich auf Hausmittel gegen Husten; spezifisch geht es um Teesorten, selbstgemachte Hustensäfte und die Wirkung des Inhalierens.

Wenn man verschiedene Hausmittel gegen Husten diskutiert, muss man sich zuerst die verschiedenen Ausprägungen des Hustens vergegenwärtigen. Man unterscheidet trockenen von produktivem Husten. Anders formuliert kann man den Husten unterteilen in eine Ausprägung ohne Auswurf und eine Ausprägung mit Auswurf. Der Husten ohne Auswurf ist in aller Regel sehr trocken und schmerzt daher oftmals in der Brust und in den Atemwegen. Je nach Hustentyp werden andere Hausmittel gegen Husten relevant. Auch beim Husten gilt der allgemeine Leitsatz: Je stärker und länger anhaltend die Symptome, desto eher sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Wenn ein Husten, unabhängig vom Typ, länger als eine Woche nach Beginn der Behandlung mit Hausmitteln anhält, muss zwingend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

Die geeigneten Teesorten als Hausmittel gegen Husten unterscheiden sich je nach Ausprägung des Hustens. Bei Husten ohne Auswurf sollte auf Teesorten mit Heilpflanzen gesetzt werden, die Schleimstoffe enthalten. Diese Schleimstoffe dienen dazu, die Schleimhaut der Atemwege, welche durch das dauernde Husten stark gereizt wird, zu bedecken und eine Art Film zu bilden. Die bekanntesten Sorten, welche dies bewerkstelligen, sind Lindenblüten und Isländisches Moos. Es gibt auch viele Lutschpastillen, welche auf diesen Heilpflanzen basieren. Wenn der Husten von Auswurf begleitet wird, werden andere Teesorten empfohlen. Dann geht es um die gegenteilige Funktion, nämlich darum, den Schleim zu lösen. Pflanzliche Schleimlöser kommen in Anis, Fenchel und Thymian vor, daher werden vor allem diese Teesorten bei Husten mit Auswurf angewendet.

Parallel zu Tee kann auch Hustensaft selbstgemacht werden. Selbstgemachter Hustensaft basiert oft auf einer Mischung aus Zwiebel und Honig. Die Zwiebel enthält ätherische Öle, welche eine Art Allzweckwaffe gegen Reizhusten darstellen. Der Honig dient als Zuckerquelle, um eine gewisse Zähflüssigkeit zu gewährleisten und auch den Geschmack zu verbessern. Für Kleinkinder unter einem Jahr muss zwingend eine alternative Zuckerquelle als Honig herangezogen werden! Das hat damit zu tun, dass Honig Bakterien enthält, welche ein Gift produzieren, das das Nervensystem lahmlegen kann. Weshalb dieses Gift bei etwas älteren Kindern ungefährlich ist, ist noch nicht geklärt. Als alternative Zuckerquelle kann erwärmter Haushaltszucker herangezogen werden.

Im ersten Artikel zu den Hausmitteln wurde das Inhalieren bereits erwähnt. Dies kann auch als Hausmittel gegen Husten eingesetzt werden. Das Inhalieren soll jedoch nur bei Husten mit Auswurf, nicht bei trockenem Husten angewendet werden. Bei Husten mit Auswurf hilft das Inhalieren dabei, die Atemwege durch den eingeatmeten Wasserdampf zu befeuchten; das verflüssigt den abgesetzten Schleim und unterstützt den Abtransport des Schleims, weil der Schleim auf einer mit Feuchtigkeit benetzten Schleimhaut weniger gut haften kann. Beim trockenen Husten hingegen wird das Inhalieren explizit nicht empfohlen, weil der heisse Dampf dann die bereits gereizte Schleimhaut noch weiter reizt.

Abschliessend kann also festgehalten werden, dass – wie die Grippe und die Erkältungen– auch ein Husten, unabhängig von der Art, mit Hausmitteln gegen Husten behandelt werden kann. Es soll jedoch beachtet werden, dass eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden muss, wenn der Husten länger als eine Woche anhält oder der Husten innerhalb der Hausmitteltherapie deutlich schlimmer wird. Beim Husten ist es zudem wichtig, die Ausprägung des Hustens zu berücksichtigen. Denn je nach Ausprägung müssen andere Hilfsmittel verwendet werden. So entscheidet die Ausprägung über geeignete Teesorten und über den Nutzen des Inhalierens.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Hausmittel sind ein weitverbreitetes Phänomen, das von vielen befürwortet, von einigen jedoch auch sehr kritisch betrachtet wird. Hausmittel haben gegenüber der Schulmedizin oftmals einen schweren Stand, da ihre Wirkung oft nicht auf Evidenz basiert und rein durch natürliche Stoffe hervorgerufen wird. Dieser Artikel befasst sich zu Beginn mit dem allgemeinen Potential der Hausmittel und geht dann über zum Hauptteil, welcher auf Hausmitteln gegen Erkältungen und Grippen eingeht.

Bei Hausmitteln soll ein einfacher Grundsatz verfolgt werden: Je schwerer eine Krankheit und deren Symptome, desto eher soll auf Schulmedizin zurückgegriffen werden. Dies hat damit zu tun, dass Hausmittel mit ihren natürlichen Wirkstoffen irgendwann an ihre Grenze stossen und eine schulmedizinisch medikamentöse Therapie sehr viel spezifischer gegen die jeweils vorliegende Erkrankung vorgehen kann. Hausmittel können insbesondere zu Beginn einer leichten Erkrankung benutzt werden. Davon leitet sich ein zweiter Grundsatz ab: Wenn man die Symptome innert vier Tagen durch die Hausmittel nicht reduzieren kann, sollte zwingend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

Die Hausmittel gegen Erkältung und Grippe (Influenza) werden in diesem Artikel gemeinsam erklärt, weil ihre Symptome meist zusammenfallen und daher gleich behandelt werden. Die häufigsten gemeinsamen Symptome sind eine laufende oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, Fieber und Husten.  Das wohl bekannteste Hausmittel gegen diese beiden leichten Erkrankungen ist der Tee. Warmer Tee hilft nicht nur dabei, den bei Erkältungen oftmals gestörten Flüssigkeitshaushalt auszugleichen, sondern auch das Sekret in den Bronchien und oberen Atemwegen zu verflüssigen. Die Hausmittelwirkung des Tees ist also einerseits systemisch, andererseits atemtechnisch – insbesondere bei verstopfter Nase. Je nach Teesorte werden weitere Symptome gelindert. Besonders erwähnenswert ist der Ingwertee. Die Wirkung von Ingwer beruht auf einer Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und auch einer Keimabtötung. Des Weiteren beruhigt Ingwertee den Magen. Häufig wird auch auf Kamillentee gesetzt, da dieser die allgemeinen Mechanismen des Immunsystems stimuliert und so zu einer schnelleren Abheilung der Symptome führt. Kamillentee sollte aufgrund obiger Ausführungen also eher bei einer Grippe eingesetzt werden und Ingwertee eher bei Erkältungen (v.a. Halsschmerzen).

Gegen Halsschmerzen kann man auch Wickel zur Hilfe ziehen. Die Wickel lassen sich unterteilen in warme und kalte und ferner in trockene und feuchte. Warme Wickel fördern die Durchblutung und wirken krampflösend. Daher können sie auch bei muskuloskeletalen Nackenschmerzen eingesetzt werden. Kalte Halswickel, welche oft mit Quark hergestellt werden, haben ein anderes Ziel. Sie helfen der Abschwellung und bremsen Entzündungsprozesse und werden daher vor allem bei Rachen- und Mandelentzündungen eingesetzt. Die Mandelentzündung wird nun als Beispiel herangezogen, um noch einmal auf die Grenzen der Hausmittel einzugehen. Wenn die Symptome nach vier Tagen nicht nachlassen, soll zwingend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, um sich medikamentös behandeln zu lassen (in der Regel mit Antibiotika). Ansonsten droht die Gefahr einer Mandeloperation, welche unschöne und langwierige Folgen mit sich ziehen kann. Die Grenzen der Hausmittel hängen vor allem damit zusammen, dass Hausmitel in den allermeisten Fällen nicht gezielt gegen eine Erkrankung wirken können.

Zwei weitere Hausmittel sind das Inhalieren und die Nasespülung, die vor allem bei Beschwerden in den oberen Atemwegen helfen. Beide sind vergleichbar mit schulmedizinischen Medikamenten (wie Nasenspray und Lösemittel zum Inhalieren). Beim Inhalieren geht es darum, durch den heissen Dampf die Durchblutung anzuregen und die Schleimhäute zu reinigen. Dazu wird ein mit Wasser gefüllter Topf erhitzt und mit Heilkräutern angereichert. Die häufigsten verwendeten Kräuter sind Thymian und Kamille. Beugen Sie sich zum Inhalieren über den Topf und legen Sie sich ein Tuch so über den Kopf und Hals, dass das Tuch den Topf bedeckt und der Dampf nicht abweichen kann. Alternativ gibt es auch Inhaliergeräte, in die das heisse, mit Heilkräutern angereicherte Wasser abgefüllt werden kann.

Die Nasenspülung ist noch etwas einfacher zu bewerkstelligen. Dazu wird eine Kochsalzlösung mit lauwarmem Wasser gemacht und in eine Nasendusche gefüllt. Alternativ kann auch eine normale Trinkflasche mit Saugverschluss genommen werden. Die Nasendusche oder der Saugverschluss der Trinkflasche werden dann ans Nasenloch geführt und die Kochsalzlösung durch Drücken der Flasche in die oberen Atemwege geführt. Das Salz dient auf physiologischen Mechanismen beruhend der Abschwellung des Nasenschleims und der Spülung der Atemwege. Auch herkömmliche Nasensprays sind in der Regel stark salzhaltig. Die Nasenspülung hat jedoch den Vorteil, dass das Wasser mit mehr Druck in die oberen Atemwege gedrückt werden kann und so eine stärker spülende Wirkung erzeugt. Man muss dabei beachten, dass der Mund bei der Nasenspülung geöffnet ist und der Kopf zur Seite geneigt, sodass das Salzwasser nicht in den Rachen läuft.

Jil Toman

Jil Toman

Student Humanmedizin
Medizinischer Content-Provider (MED4LIFE)

Betrachtung des Kniegelenks und mögliche Ursachen

Sei es die Vorbereitung auf einen Lauf, das Abschalten nach einem fordernden Arbeitstag oder das Geniessen in der Natur – das Lauftraining geniesst gesellschaftlich einen hohen Stellenwert. Die positiven Vorteile vom Laufen (z. B. Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit, besserer Schlaf oder mehr Selbstbewusstsein) können leider auch Hand in Hand gehen mit gewissen negativen Aspekten. Knieschmerzen beim Laufen sind keine Seltenheit. Rund ein Viertel aller Läuferinnen und Läufer leidet unter Knieschmerzen beim oder nach dem Lauftraining.

Mechanisch betrachtet ist das Kniegelenk ein Kompromiss zwischen zwei gegenteiligen Forderungen. In gestreckter Stellung soll es stabil sein, um der Last des Teilkörpergewichts standzuhalten. In gebeugter Stellung soll es gut beweglich sein, um dem Fuss bei unebenen Untergründen optimale Stellung geben zu können. Ein intaktes Kniegelenk erfüllt diese Aufgaben. Allerdings birgt der verringerte Gelenkflächenkontakt, der für eine grosse Beweglichkeit Voraussetzung ist, die Gefahr von Verletzungen. Wenn zusätzlich das Training des Läufers nur aus Laufen besteht, können Knieschmerzen beim Laufen die Folge daraus sein.

Zusätzlich zu den soeben erläuternden anatomischen Gegebenheiten, welche das Knie verletzungsanfällig machen, werden in der Literatur weitere auslösende Faktoren angegeben. Diese sind:

Beinachsenfehlstellungen (ugs. O-Beine / X-Beine)
Muskeldysbalancen (ungleichmässige Spannungsverhältnisse zwischen den einzelnen Muskeln)
Knorpelschäden
Überlastungen

Wie kann sich die Problematik äussern?

Oftmals wird ein vorderer oder seitlicher Knieschmerz, der sich beim Laufen oder bei längerem Sitzen verstärkt, angegeben. So kann ebenfalls eine leichte Schwellung oder eine Einschränkung der Beweglichkeit nach dem Lauftraining hervortreten.

Betrachtung aus physiotherapeutischer Sicht

Die Wissenschaft (Van Linschoten et al. 2009) konnte zeigen, dass ein physiotherapeutisch überwachtes Übungsprogramm gegenüber der üblichen medizinischen Versorgung nach drei und nach zwölf Monaten bessere Ergebnisse bezüglich Schmerzen und Funktion erzielt. So ist ein Übungsprogramm, das Rumpfkontrolle und Hüftmuskulatur unter gewichtstragenden Bedingungen einbezieht, effektiver als isolierte M. quadriceps-Übungen (Baldon et al. 2014). Beim M. quadriceps femoris (auch Beinstrecker genannt) handelt es sich um einen vierköpfigen Muskel am vorderen Oberschenkel.

Der Gang zur Physiotherapie kann also lohnend sein. Nach gemeinsamem Dialog zwischen Läufer und Therapeut und den darauffolgenden physiotherapeutischen Untersuchungen und Testungen werden Ziele und die dazugehörigen Massnahmen erarbeitet. Ein sinnvolles Ziel wird in der folgenden Tabelle näher beleuchtet.

Wie soll man das Training anpassen, wenn Knieschmerzen beim Laufen auftauchen? Wie kann man vorbeugend arbeiten?

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, bei bereits bestehenden Knieschmerzen beim Laufen oder im vorbeugenden Sinne, die obengenannten Massnahmen mindestens zweimal wöchentlich in das Training zu integrieren. Das Krafttraining sollte dabei nicht am gleichen Tag durchgeführt werden wie die Laufeinheit. Zum Beispiel kann folgendermassen aufgeteilt werden:

  1. Montag: Funktionelles Stabilisations- und Kräftigungstraining
  2. Dienstag: Lauftraining
  3. Mittwoch: Funktionelles Stabilisations- und Kräftigungstraining
  4. Donnerstag: Ruhetag
  5. Freitag: Funktionelles Stabilisations- und Kräftigungstraining
  6. Samstag: Lauftraining
  7. Sonntag: Ruhetag

Bei akutem Auftreten von Knieschmerzen beim Laufen sollte man sich an die PECH-Regel halten:

  • Pause einlegen und das betroffene Knie ruhigstellen
  • Eis in einem Küchentuch einwickeln und kühlen
  • Compression (dt. Kompression) kann gegen die Ausbreitung von Schwellungen und Blutergüssen helfen
  • Hochlagern der Beine über Herzhöhe

Zusatztipps

Und vielleicht kommen Ihnen diese Ansätze bekannt vor? Ergänzend ist hierbei nochmals zu erwähnen, dass das stetige (!) Krafttraining relevant ist. Das konstante Kräftigen der knieumliegenden und rumpfkontrollierenden Muskulatur erhöht die Chancen, längerfristig die Knieschmerzen beim Laufen zu lindern. Nachfolgend werden Tipps aufgelistet, um die bereits aufgezählten Massnahmen noch zu ergänzen. Zusätzlich dienen sie als Anstoss, um dem Training einen neuen Reiz zu verleihen.

  • Einbeziehen der gesamten Körperarbeit und -kontrolle in das Trainingsprogramm
  • Untersuchung (durch eine Fachperson) anderer Strukturen, die auch für die anhaltende Problematik verantwortlich sein könnten (Hüftgelenk; Lendenwirbelsäule; vom Nervensystem ausgehende Beeinträchtigungen)
  • Beachtung psychosozialer Aspekte (z. B. emotionale Schmerzen; soziale Probleme; existenzielle Sinnfragen)
  • Durchführung einer Trainingsanalyse (durch eine Fachperson): Sammlung und Auswertung von Informationen wie z. B. Körpergewicht; Ernährungszustand; Konditionsniveau; ergänzendes Training weiterer Sportarten; Trainingsumfang (in Kilometer / Woche); Untergrundbeschaffenheit (Strasse, Wald, Schotter, Sand, Halle, etc.) des Terrains

Wann soll mit dem Lauftraining aufgehört werden?

Das Training ist in vielen Fällen ein hilfreiches Mittel, um beständig die Problematik zu lindern. Einige Anzeichen weisen darauf hin, dass keinesfalls weitertrainiert werden soll. In diesem Fall bedarf es einer dringenden ärztlichen Abklärung.

  • Neurovaskuläre Schädigungen = Schäden, die die Nerven und Blutgefässe betreffen
  • Riss der Patellarsehne (tastbare Lücke in der Sehne, welche sich über die Kniescheibe zieht; veränderte Position der Kniescheibe)
  • Septische Arthritis = eine keimbehaftete Entzündung eines oder mehrerer Gelenke (allgemeines Unwohlsein; Entzündungszeichen; kein vorheriges Trauma)
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Mögliche Krebserkrankung (Krebs in der Vorgeschichte; unerklärlich anhaltende starke Schmerzen oder aussergewöhnliche Symptome ohne erklärendes Trauma im Vorfeld; Nachtschmerz)

Das Wichtigste in Kürze

Zusammenfassend gilt zu sagen, dass die Belastungsplanung (= optimale Trainingsbelastung und -regeneration) in dieser Angelegenheit ein entscheidender Faktor ist. Es bietet sich an, dreimal wöchentlich die sportmotorische Grundfähigkeit Kraft, also Krafttraining, als Basis in das Training zu integrieren. Ein Trainingsprogramm, das den Rumpf und die Kräftigung der knieumliegenden Muskulatur unter gewichtstragenden Bedingungen miteinbezieht, ist gemäss Studienarbeiten ein effektiver Weg, um Knieschmerzen beim Laufen vorzubeugen. Jedoch sind Anzeichen zu beachten, bei denen eine dringende ärztliche Abklärung erfolgen muss. In diesem Fall ist das Training für den Moment einzustellen.

Quellen

Kapandji, A.I. (2016). Funktionelle Anatomie der Gelenke (6. Auflage). Georg Thieme Verlage KG

Merz, O., & Robert, M. (2017). Handbuch Physiotherapie – Kniegelenk (1. Auflage). KVM – Der Medizinverlag Dr. Kolster Verlags-GmbH, ein Unternehmen der Quintessenz-Verlagsgruppe

Jonathan Müller

Physiotherapeut (MED4LIFE)